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    Dorotee rückte näher zu ihm und flüsterte: »Tu für den Hansjörg, was du
kannst! Benutze deine Macht über ihn zu seinem und deinem Heil. Er traut dir,
und du hast ihn auf dem Gewissen.«
    »Weißt du das so gewiss?« fragte Jos etwas verlegen.
    »Von dir kann er lernen, wie man mit blutsaurer Arbeit alles Misstrauen, alle
Hindernisse überwindet. Ich weiß aus Erfahrung, wie leicht man sich auf einen
schweren Weg macht, wenn ein Mutiger voran ist. Ich fühle, wie hoch du über ihm
stehst, wenn du willst, ich -« Das Mädchen stockte.
    »Nun, wir tun jetzt auch mitsammen. Bin ich doch da, um auf ihn zu warten.«
    »Aber der Führer ist er. Du hilfst ihm etwas tun gegen das Gesetz, dem wir
folgen müssen.«
    »Aber nichts Sündhaftes.«
    »Was gegen das Gesetz geht, ist nicht recht. Wie es uns schützt in unseren
Rechten, so schützt es auch andere. Es sieht weiter als wir, drum sollen wir es
auch achten, wo wir es nicht verstehen.«
    »Ich hätt' auch lieber einen großen Hof geerbt«, sagte Jos etwas unmutig,
»als armer Teufel aber muss ich mich wehren, wie es geht Unser mehrere haben sich
zusammengetan, um die Sache in Gang bringen zu können.«
    »Wenn's nur etwas anderes wär'«, klagte Dorotee. »Ich hab' auch schon
gedacht, die Armen sollten so zusammenhalten wie die Reichen, aber zu etwas
Ordentlichem. Ihr da kommt mir fast vor wie die Bauern, welche sich
vereinbarten, um auf der letzten Versteigerung beim Kronenwirt einen Wald recht
wohlfeil an sich zu bringen. Beide Teile handeln gegen das Gesetz. Jene
schadeten einem, ihr dem Staate.«
    Diese Rede Doroteens bewies, wieviel sie sich in Gedanken mit dem
Schleichhandel beschäftigt und dass sie auch andere, die mehr davon verstanden
als sie selbst, gelegenheitlich darüber befragt hatte. Jos jedoch war über
diesen Beweis, dass das Mädchen auch jetzt noch an ihn denke und für ihn sorge,
nichts weniger als erfreut. Schüchtern begann er der lieben Predigerin
auseinanderzusetzen, dass er immer an sie denke und nur ihretwegen soviel wage.
Vor den Menschen nehme man sich in acht, und Gott werde seine gute Absicht sehen
und ihm verzeihen. Doroteen wurde heißer und heißer. Sie merkte, auf was alles
der gute Bursche noch kommen werde. Und schon fühlte sie nicht mehr die Kraft in
sich, ihm in seinen Auseinandersetzungen zu widersprechen und vielleicht mit
einem Worte alle seine Hoffnungen zu zerstören. Hoffnungen auf eine Zukunft,
die, ach, auch ihr so lieblich erschien,
