 alles in Ordnung sein. Man beginnt schon, den reichen Bauern so halb und
halb aus der Sache zu wickeln.«
    »So!« rief Dorotee mit einer Lebhaftigkeit, welche die Wirtin zuerst fast
erschreckte, »der Jos ist also jetzt auch noch mit hineingekommen! Das lass ich
mir gefallen. Er kann sich nun um so eher denken, dass an dem ganzen Gerede kein
wahres Wort sei.«
    Die Wirtin blickte Doroteen erstaunt an und sagte nicht ohne Strenge: »Was
Hans denkt, ist jetzt für seine Magd am wichtigsten.«
    »Hans steht auf sich selbst und tut, was er will.«
    »Du kennst die Welt noch schlecht, wenn du glaubst, dass nur wir Weiber uns
nach dem Winde drehen. Ja, dann ist's zum Teil gut, dass Gott dich schon jetzt
etwas erfahren lässt.« Die Wirtin wurde wieder in die Stube gerufen. Auch
Dorotee stand auf, dankte für den Wein und noch mehr für das, was dabei ihr
Herz erleichtert hatte.
    Die freundliche Frau war anfangs bemüht, Doroteen, die ihr noch sehr
aufgeregt schien, zurückzuhalten, da ja das Glas noch nicht einmal zur Hälfte
geleert sei. Dorotee sagte jedoch, sie wäre soviel derlei Getränk gar nicht
gewöhnt, wenig aber mache ihr leicht und wohl. Zudem sei es ihr immer, als ob es
nicht recht wäre, so in einem fremden Hause vom Broterrn zu reden, während es
daheim vielleicht dies und jenes zu tun gäbe.
    Sie sehnte sich wirklich zurück zu den stillen häuslichen Verrichtungen, die
ihr die Stigerin seit längerer Zeit fast ganz allein überließ. Da vergaß sie
alles andere, konnte den Zusammenhang leicht übersehen und war ganz in ihrer
Welt. Das Reden und Tun der Menschen aber tat ihr weh und drückte ihr Herz wie
eine Last, unter der sie sich nicht mehr frei regen konnte, wie gern sie auch
eingegriffen und etwas getan hätte. Ja, sie kannte die Welt noch nicht, da hatte
die Wirtin ganz recht; aber sie wusste doch schon zuviel von ihr, als dass ihr das
Plaudern der Leute in der Gaststube und das Klingen der Gläser noch ein
Vergnügen machen konnte. Das schönste war für sie und das beste, treulich ihre
Pflicht zu tun, dass kein Mensch einen Grund zum Tadeln hatte. Dann konnte sie
das Gerede vorüberschwirren lassen wie einen Herbststurm, vor dem sich kein
Mensch fürchtet, wenn er nur sein Schindeldach gehörig mit Steinen überlegt und
festgedrückt hat und auch sich selbst nicht auf der weiten Gasse befindet. Wäre
sie heute wie sonst ordentlich zu Hause geblieben, statt sich grosstun zu wollen
mit ihrem Gelde, dann hätte sie gewiss nicht so Schlimmes erlebt. Mit solchen
Gedanken kam sie vor den
