, sagte die Stigerin nach einer Weile, »so ließe
sich das noch viel eher ertragen. Man weiß ja schon, wie die Männer alle sind.
Dir aber, dem eigenen Kinde, das ich so klein und schwach gesehen, das ich mit
soviel Mühe gehen lehrte und groß zog, dir kann und will ich den heutigen Morgen
nie mehr vergessen. Das gräbt sich tief, tief ins Herz und tut recht grausam
weh!« Sie zog das Taschentuch heraus und bedeckte das Gesicht. »Tut man doch
heut' wieder einmal, und weiß kein Mensch, warum es nötig wär'!« murrte Hans,
der sich schon etwas schwächer fühlte.
    »Nur deinetwegen, zu deinem Wohl.«
    »Oho!«
    »Ja, so ist's, und wenn du nicht eben der Hans wärst, müsstest du das auch
einsehen.«
    »Ich bin aber der Hans«, sagte der Bursche, herzlich froh, dass die Mutter so
schnell wieder in eine andere Tonart überging.
    »Ja, du siehst und merkst immer nichts, bis dir eine Kuh auf den Fuß tritt.«
    »Ich merke wohl, wie man jeden Zufall hereinzieht, um dem guten Mädchen, der
Dorotee, böses Spiel zu machen.«
    »Nennst du das einen Zufall, dass ihr Beichtvater sie nicht einmal mehr
lossprechen kann?«
    »Der Kaplan hat nicht so viel erfahren, als ich in der letzten Zeit an dem
Mädchen gesehen habe.«
    »Was hast du denn gesehen?«
    »Seit im Sommer«, erzählte Hans, »die Zeit weiß ich nicht mehr so genau,
kommt mir die Magd in gar allem ganz verändert vor. Nach der Kirchweih schien es
mir mehrmals, als ob eine böse Krankheit in ihr stecken müsse. Trotzdem war sie
unermüdet früh und spät wie sonst, ja fast noch fleißiger, wenn es sein konnte.
Nur zuweilen, wenn sie sich nicht gesehen wähnte, stand sie wie angenagelt und
gebannt oder als ob sie etwas recht schwer drücke. Dann und wann hätt' ich sie
von Herzen gern heimgeschickt ins Bett, aber wenn ich sie noch so freundlich
anreden wollte, erschrak sie und redete so heillos närrisches Zeug, dass ich ihr
im Ärger darüber zuerst vielmal kein gutes Wort mehr gönnen konnte. Jetzt aber
weiß ich, dass man viel von dem, was sie über sich selbst und über andere sagt,
bei weitem nicht so grell nehmen muss, wie sie es gibt. Es wär' gut gewesen, wenn
das auch der Kaplan gewusst hätte.«
    Die Stigerin, welche aufmerksam zugehört hatte, sagte mit seltenem Ernst:
»Ich fürchte, dass auch du das nicht kennst, will aber Gott auf den Knien
