 Mensch wieder sehen, wenn ich so alt werde wie die Sünde.«
    »Ist mir lieb zu hören«, lächelte der Krämer. »Kein Mensch weiß, was es
wieder gäb', wenn du und das Blitzmädel unter einem Dache lebten.«
    Die Wangen des Burschen röteten sich. Er sah Zusels Vater erstaunt an und
fragte mit unsicherer Stimme: »Was soll ich machen?«
    »Daheim für mich arbeiten.«
    »Um ein hübsches Vermögen tat ich nicht mehr immer sitzen.«
    »Nicht nötig; du sollst genug Bewegung haben.«
    »Was hättest du denn im Kopf?«
    »Bleib, was du bist, ein Schwärzer, und mach' mit mir gemeine Sache«, sagte
der Krämer. »In meinem Laden kommt alles am besten fort. Auch brauchst du dann
mich so wenig zu fürchten, als unsereiner das Amt zu fürchten hat. Du bist
sicher, an Betriebskapital und Lohn soll's nicht fehlen, und du musst nichts als
das klug gewählte Warenlager teilen mit einem, der dir ein mächtiger Freund
werden kann. Dass dann die bisherige Feindschaft ein End' hat, ist auch noch
etwas wert.«
    »Knecht«, stotterte Hansjörg nach einer Weile, »wär' ich freilich nicht
gern, und wir könnten immer wieder aufhören -«
    »Allerdings, wir binden uns gegenseitig und machen uns gegenseitig frei. Du
müsstest nicht einmal nur mir als Schwärzer dienen; doch als Soldat und sonst
wird es gut sein, wenn wir jedes Aufsehen vermeiden. Es wär' sogar gut, wenn du
zum Schein ein wenig mit der Nadel arbeiten tätest. Zu verdienen brauchst du
nicht viel.«
    »Und wenn man mich fängt?«
    »Ich werde dir helfen auf jede Art, wenn du mich nicht angibst. Aber lass
immer die Ware lieber fangen als dich. Ich weiß, dass Zusel viel lieber einmal
die paar Taler weniger erben will.«
    Dieser Schluss wirkte mehr als alles andere. Bald waren sie handelseins und
reichten sich die Hände.
    »Morgen kannst du etwas Geld haben«, rief der Krämer schon im Gehen. Jetzt
war er in der besten Stimmung. Die Todesgedanken kamen nicht mehr; trotzdem aber
suchte er einen Alpweg, der über die Fluh hinaus und neben dem Liggstein gerade
zur Kirche hinunterführte, um den gefährlichen Weg unter dem Felsen neben der
Ach zu vermeiden. Vorzuwerfen übrigens hatte er sich nichts mehr. Hintergedanken
hatte Hansjörg so gut als er, und mancher wohl wäre nicht imstande gewesen, so
einem Grobian auch nur zum Scheine die Hand zu geben. Das war also überstanden,
und in Zukunft wollte er denn doch etwas gewissenhafter vorgehen, besonders wenn
einmal Zusel Stigbäuerin war.
    Hansjörg kletterte
