, denn der Himmel ist hoch und der Zar ist weit,
sagen die Russen ... Gelt, Sabine, wir haben schon gar wunderliche Dinge erlebt,
seit die Frau Baronin das Regiment führt?«
    »Ach, ja wohl, Herr Oberförster,« entgegnete die Alte, die eben ein neues
Gericht auf den Tisch setzte, »wenn ich nur an die arme Schneider denke ... Das
ist eine Taglöhnerswitwe aus Dorf Lindhof,« wandte sie sich an die anderen, »sie
hat immer rechtschaffen gearbeitet, um sich durchzubringen, und hat ihr auch
niemand was Unrechtes nachsagen können; aber sie muss vier kleine Kinder
ernähren, das arme Weib, und lebt nur von der Hand in den Mund ... Und da ist's
ihr einmal im vorigen Herbst recht schlecht gegangen; sie hat nicht gewusst, wie
sie die Kinder satt machen soll, nu, da hat sie sich etwas zu schulden kommen
lassen, was freilich nicht recht war - sie hat von einem herrschaftlichen Acker
eine Schürze voll Kartoffeln mitgenommen. Der Verwalter Linke aber hat hinter
einem Busche gestanden; das sehen, vorspringen und auf die Frau losschlagen ist
eins gewesen. Ja, wenn er's bei einem kleinen Denkzettel hätte bewenden lassen,
da wollte ich nichts sagen; aber er hat gar nicht wieder aufgehört und hat sie
sogar wütend mit dem Fuße getreten ... Ich hatte dazumal gerade etwas in Lindhof
zu besorgen, und wie ich da unter den Kirschbäumen beim Dorfe hingehe, sehe ich
einen Menschen an der Erde liegen, es war die Schneider; sie hatte ein
erschreckliches Blutbrechen, konnte kein Glied mehr rühren, und keine
Menschenseele war bei ihr. Da hab' ich Leute gerufen, und die haben mir
geholfen, sie nach Hause zu bringen. Der Herr Oberförster war zwar damals
verreist, aber ich habe mir gedacht, er würde mir's auch nicht verwehren, wenn
er da wäre, und habe das arme Weib verpflegt, soviel in meinen Kräften stand ...
Die Leute im Dorfe waren wütend über den Verwalter, aber was konnten sie denn
machen? Es wurde zwar gesagt, die Sache käme vor Gericht; ja, da kann man warten
... Der Linke ist einer von den Frommen; er ist die rechte Hand bei der Baronin,
verdreht die Augen und tut alles im Namen des Herrn. Es durfte doch um keinen
Preis unter die Leute kommen, dass so ein Frommer mitunter auch recht
unmenschlich sein könne, und da ist die Frau Baronin alle Tage in die Stadt
gefahren und hat sich sehr herabgelassen; kurz und gut, die Geschichte ist
vertuscht worden, und die Schneider, die noch immer nicht ordentlich fort kann,
hat ihre
