, wie ich sie für gut halte«, sagte Witiko.
    »Und du wirst Großes vollbringen«, antwortete der Scharlachreiter.
    »Du vielleicht auch«, sagte Witiko.
    »Das siehst du gewiss«, sagte der Scharlachreiter, »dass wir dich nicht
beschimpfen, oder mit dir kämpfen oder dich töten wollen, wenn wir auch Spott
und Scherz sagen. Wir sind auf viel größere Dinge aus, nicht nur auf die
Eroberung Böhmens sondern auch des kleinen Ländleins Österreich und Baierns und
Sachsens und Deutschlands und der ganzen Welt - nämlich der Welt des Vergnügens.
Wir sind die Könige und Vögte dieses Herrn, der alle Länder beherrscht. Und der
Erdkreis ist ihm zu klein, und bis in die Sterne und in den Himmel wird er seine
Macht tragen. Da sitzt einer in dem Riesengebirge, und hat das Seinige dort,
einer in den Bergen bei Sachsen, und hat das Seinige dort, einer am Walde von
Bayern, und hat das Seinige dort, einer in der gesegneten Flur an der Elbe, und
hat das Seinige dort: und alle sind sie wie wir.«
    »Die Kleider, wie ihr sie tragt, habe ich auch in andern Ländern gesehen«,
sagte Witiko.
    »Nicht bloß die Kleider: die Sitten die Bräuche und alles andere geht durch
die ganze Welt, und wir leben mit der ganzen Welt, wir können nicht hinter
unserem Eichenklotze sitzen bleiben, und uns von ihm beschatten lassen. Ja, da
erzählen die Alten, unser Volk sei einmal abgeschieden, es sei für sich allein
gewesen, und habe nicht nach auswärts gestrebt, da hat es Gesang und Tanz
geliebt, die Gastfreundschaft geehrt, und den Boden betreut. Die Einsicht hat
als das Größte gegolten, und der Rechtspruch, den einer geben konnte, war die
höchste Zier. Und die oberste Macht unsers Landes ist nicht aus der
Kriegsanführung hervorgegangen, sondern aus der Richterübung. Krok erlangte die
Macht im Volke, weil sein Verstand den der andern übertraf, und weil er allen
raten und helfen konnte. Die Angriffe von außen wurden einfältig abgewehrt. Samo
hat in längstvergangenen Zeiten die Heere des Frankenkönigs Dagobert in der
dreitägigen Schlacht bei Togastburg vernichtet, das Heer Ludwigs des Deutschen,
welcher Böhmen bezwingen wollte, ist in einer unerhörten Niederlage geschlagen
worden. Und man kennt nicht den Ort der Schlacht und nicht den Namen des Mannes,
der unser Volk geführt hat. Da, sagen sie, seien gute Zeiten gewesen; aber wer
weiß, wie damals alles geschehen ist. Alte Menschen loben das Vergangene und
frühere Zeiten. Die Jahre, die näher an uns liegen, sind auch hier zu Lande wild
genug gewesen. Und warum hat der Mann seines Namens nicht besser gewahrt, und
