 noch - für
dreihundert Taler, die ich früher an ein paar Abenden verspielt habe! Es ist
wirklich großartig, was sich diese Mädchen nicht alles einbilden! Und dabei ist
diese gar nicht so dumm, wie sie aussieht, und scheint trotz ihres
fürchterlichen Deutsch den Goethe gründlich studiert zu haben: »tut keinem Dieb
nur nichts zu Lieb', als mit dem Ring am Finger -« hm, hm! ich werde ihr
wahrhaftig einen Ring kaufen müssen. Die dreihundert Taler wären freilich so
übel nicht. Diese verdammten Gläubiger! nicht einmal in diesem Winkel lassen sie
einen ungeschoren.
    Herr Timm fasste in die Brusttasche und holte einige Briefe von verdächtigem
Aussehen hervor, die er, nachdem er sich in die Ecke einer Bank gesetzt, einen
nach dem andern entfaltete und eifrig studierte. Sein sonst so lustiges Gesicht
verdüsterte sich dabei zusehends. Verdammt, murmelte er, die Kerle werden
wirklich unverschämt. Wenn ich den brummenden Bären doch nur so ein paar hundert
Taler in den Rachen werfen könnte, so schweigen sie doch für eine Weile
wenigstens. Die dreihundert, welche die kleine Marguerite im Sparkassenbuche
hat, kämen mir wirklich gelegen. Es wäre am Ende nur zu ihrem Vorteil, wenn ich
sie darum ärmer machte. Denn dass ich mein Versprechen, sie zu 'eiraten, ohne
die dringendste Not nicht halten werde, liegt doch für jeden Verständigen auf
der Hand. Fühle ich mich nun ihr gegenüber nicht nur moralisch, sondern auch
anderweitig verpflichtet, so hat sie immerhin eine Chance mehr. Ich kann ihr ja
sagen, ich könne das Geld besser anlegen oder dergleichen. Wenn die dummen
Dinger verliebt sind, glauben sie ja Alles, was man ihnen aufbindet. Und kann
sie das Geld besser anlegen, als wenn sie sich damit einen charmanten Kerl von
Mann erkauft, der sie im andern Falle nicht 'eiraten würde. Me herculem! ich
fühle mich ordentlich gehoben durch den Gedanken, auf diese Weise der Wohltäter
des Mädchens zu werden. Ich will die Kleine doch einmal in's Gebet nehmen.
Weigert sie sich, so werde ich sie freilich ihrer Klugheit wegen achten müssen,
aber mit unserer Liebe ist es aus.
    Albert erhob sich und ging, die Hände auf dem Rücken, wie es seine
Gewohnheit war, wenn sein scharfsinniger Kopf an der Lösung eines Problems
arbeitete, langsam nach dem Schloss. Marguerite schaltete noch in der
Küchenregion; Albert verfügte sich auf sein Zimmer, um noch einige Minuten
ungestört über seine Aufgabe nachzudenken.
    Er beugte sich über die Karte, die auf dem großen Reissbrett aufgespannt war,
und an der er seit der Abreise der Familie nicht das Mindeste gearbeitet hatte.
    Wenn das so fortgeht, wird sich Anna-Maria über meine Fortschritte wundern,
murmelte
