 Seele erhellt, düstrer und düstrer
brennen macht. Vielleicht - wer weiß es? - mag das auch ein Glück für ihn sein.
Vielleicht mag dann das Wort, das er jetzt oft halb im grimmen Spotte und halb
voll wehmütigen Glaubens im Munde führt, das alte Wort: »Selig sind die
Einfältigen«, an ihm zur Wahrheit werden.
    Der vertraute Umgang mit dem gelehrten Manne hatte mich in den Augen aller
Andern in einen Nimbus gehüllt, in welchem ich, wie die homerischen Helden die
Gefahren der Schlacht, die Schrecknisse des Examens ungefährdet durchwandeln
konnte. Am Morgen des entscheidenden Tages sagte Berger zu mir: Wissen Sie,
lieber Oswald, dass ich große Lust habe, Sie durchfallen zu lassen!
    Warum?
    Weil ich Sie zu verlieren fürchte: doppelt zu verlieren. Du lieber Himmel,
welche Wandlungen können nicht mit einem Menschen vorgehen, dem man den
Grossvaterstuhl eines Amtes gibt und die Schlafmütze einer Würde aufsetzt!
Vielleicht kommen auch Sie noch dahin, den Horaz für einen großen Dichter zu
halten, und den Cicero für einen eminenten Philosophen; vielleicht werden Sie
gar in dieser engbrüstigen Zeit aus lieber langer Weile ein gelehrter Professor,
wie ich.
    Das Examen war vorüber; ich hatte, wie Berger sagte, die Erlaubnis erhalten,
das Stroh dreschen zu dürfen. Da kommt er eines Tages mit einem Briefe in der
Hand zu mir und fragt:
    Haben sie Lust, in einer adeligen Familie Erzieher zu werden?
    Das könnte ich eben nicht behaupten.
    Glaub's wohl; aber die Bedingungen sind so vorteilhaft, dass es sich
mindestens der Mühe verlohnt, die Sache in Überlegung zu ziehen. Sie müssen
sich auf vier Jahre verbindlich machen.
    Und das nennen Sie vorteilhafte Bedingungen? Vier Jahre! nicht vier Wochen!
    Hören Sie nur! Von den vier Jahren haben Sie nur zwei in dem Hause
zuzubringen, die übrige Zeit reisen Sie mit Ihrem Zögling. Sie wollen die Welt
sehen und Sie müssen die Welt sehen, und wäre es auch nur, um sich zu
überzeugen, dass die Menschen überall mit Recht die Hunde so lieben. Sie haben
kein Vermögen, zum Vagabunden sind Sie zu civilisirt. Eh bien! hier haben Sie
die schönste Gelegenheit, die Ihnen so vielleicht nicht zum zweiten Male im
Leben geboten wird.
    Und wer ist mein Alexander?
    Ein junger Majoratsherr, wie der macedonische Pferdebändiger. Ich habe die
noble Sippschaft im vorigen Jahre in Ostende kennen gelernt. Der Mann, ein Baron
Grenwitz, ist eine Null, die Frau Baronin ein X, das ich noch nicht habe
herausrechnen können. Jedenfalls ist sie eine gescheite Frau. Ich weiß, dass dies
für Sie keine geringe Empfehlung ist. Sie spricht drei oder vier lebende
Sprachen gut, ihre Muttersprache
