 sie lassen gehen nach einem andern Platze
und einem Andern lassen den Profit daran? Was bringt's ein, wenn man hat ein gar
zu genaues Gewissen? Du hast die Gedanken vom alten Isaak Hirsch, der
herumdrehte jedes Geschäft dreimal, ehe er hat zugefasst. Was hat er gemacht
dabei? Läuft er nicht noch herum unten im Süden bei den Niggern als Pedlar und
hat für den Manuel, den er angenommen an Kindesstatt und den wir jetzt müssen
verpflegen, noch nicht einmal geschickt das Kostgeld für die letzten drei
Monate? Und bist du nicht selber geblieben ein so armes Josim, dass du hast
zugegriffen, als der Abraham Meyer zu dir kam, wenn er auch war zwanzig Jahre
älter?«
    »Ich hab' dich genommen, weil du warst ein anständiger Mensch und ich
meinte, du sei'st ehrlich,« erwiderte sie, den Kopf hoch aufrichtend; »ich habe
dir geholfen nun manches Jahr in deinem Geschäfte und zu deinem Verdienste, und
wenn ich einmal spreche, wo ich denke es sei Not, so habe ich nicht verdient,
dass du mir vorwirfst, ich sei gewesen arm, als du mich genommen.«
    »Rebeckche, was willst du?« sagte er eifrig; »habe ich doch nichts sprechen
wollen, was. Dich könnte beleidigen; bin ich nicht anständig noch immer? Gehöre
ich doch zur Gesellschaft der Benei Beriss; treibe ich doch mein Geschäft, dass
sie schon oft haben gesprochen vom nobeln Abraham Meyer; habe ich dir doch
gesagt, dass du sollst wegbleiben ganz und gar vom Fenster in der Office und
sollst sitzen in deinem Parlor als eine Lady, und dass ich will nehmen den Manuel
ins Geschäft an deinen Platz, wenn der Isaak Hirsch noch länger zurückhält mit
dem Kostgelde für ihn. Und wegen der Waren im Hinterkeller,« fuhr er halblaut
fort, »weiß Jemand, wo der Weg hineingeht und sucht Jemand dergleichen beim
Abraham Meyer, der sein Geschäft so nobel betreibt? Warum soll ich nun nicht
nehmen einen großen, sichern Gewinn -« er hielt plötzlich inne und horchte auf.
»Hast du gehört?« fragte er nach einer Weile.
    »Was soll ich haben gehört?« erwiderte sie, »es war Jemand an der
Hintertür.«
    »An der Hintertür - wer hat etwas zu tun an der Hintertür?« sagte er und
horchte noch immer mit gespanntem Gesichte.
    »Was tust du so ängstlich? wer soll's anders sein, als Einer, der nicht
will gehen zum Pfandleiher am hellen Tage durch die Vordertür? Du hattest
niemals Angst, Abraham, als du noch ließest deine Hand von verdächtigen Waren.«
    In diesem Augenblicke klappte die Tür der Office und Meyer
