 sage ich Ihnen meine Meinung, und ob Sie die annehmen wollen, ist
nachher Ihre Sache!«
    Helmstedt strich mit der Hand über das Gesicht. Die Rede seines Begleiters
war ihm bald wie das bloße Wichtigmachen eines aufdringlichen Menschen
vorgekommen, bald hatte aber auch wieder eine Sicherheit mit halbem Spott
gemischt darin gelegen, die ihn beleidigte und doch unwillkürlich imponirte.
    »Ich kann eben nichts, als was man auf deutschen Schulen und Universitäten
lernt, ich hab's Ihnen schon gesagt,« erwiderte er, »und ein bisschen
Klavierspielen daneben; sollten Sie nicht wirklich eine Hoffnung für mich haben,
so lassen Sie uns lieber das Gespräch abbrechen, damit mir wenigstens eine neue
Täuschung erspart wird.«
    »Ja, wenn Sie aber hier in Amerika Ihren Weg machen wollen, so dürfen Sie
nicht so kurz gebunden sein, dürfen keine Gelegenheit fortstossen, wo vielleicht
was für Sie herausspringen könnte, wenn's auch zehnmal nichts damit ist. Sie
verlieren doch nichts dabei, wenn wir hier mit einander sprechen?«
    Helmstedts Gesicht färbte sich höher, aber er schwieg. »Sie spielen Klavier,
da wird die Sache für jetzt schon gehen,« fuhr der Alte fort. »Ich habe
Bekannte, die Ihnen einen Verdienst als Klavierspieler in einer ordentlichen
Bierwirtschaft verschaffen können - mehr werden Sie aber verdienen, wenn Sie in
einem schlechten Hause spielen wollen; Sie sind gerade wie gemacht, um bei den
Mädchens dort nebenbei den Grafen vorzustellen und Sie können da ein ganz gutes
Leben haben.«
    Helmstedt schüttelte den Kopf. »Ich mag mit derartigen Dingen nichts zu tun
haben, wenn's auch zum Schlimmsten kommen sollte,« sagte er finster, »aber
selbst wenn ich mich in ordentlichen Bierhäusern als Klavierspieler herumtreibe,
so ist das wohl etwas um augenblicklich Essen und Obdach zu verdienen und ich muss
Jedem danken, der mir irgendwo zu so einem Platze verhilft - was es dann aber
mit meiner Zukunft werden soll, weiß ich nicht, ich lerne nirgends dabei und
kann doch nicht ewig zum Bier Musik machen?«
    Der Alte nickte wieder. »'S ist schon recht!« sagte er. »Mit dem
Klavierspielen werden Sie aber doch wohl anfangen müssen, erst muss einer für
morgen sorgen, ehe er an über's Jahr denkt. Das Musikmachen dauert nur den Abend
über und Sie haben den ganzen Tag für sich. Ich habe noch einen andern
Bekannten, der Sie wohl in seinem Store arbeiten ließe, wenn er nichts dafür zu
bezahlen brauchte, wo Sie aber geschwinder Englisch lernen und sich für's
amerikanische Leben passend machen können, als mit zehn Professoren. Es kommt
freilich für Jeden, der nicht daran gewöhnt ist, hart an, den ganzen
