 nur so ein Gedanke gewesen. Glaub' mir, ich
hab's nicht gewollt, ich kann ja das auch nicht; aber weil sie mich immer so den
Kegelbuben heißen, da hab' ich gemeint, ich müsse auch einmal wettern und
dreinfluchen und dreinhauen. Aber du hast Recht. Sieh, wenn du willst, gehe ich
noch heut Nacht hin zum Scheckennarren und sage ihm, dass ich keinen bösen
Gedanken im Herzen gegen ihn hab'.«
    »Das brauchst du nicht, das ist wieder zu viel; aber weil du so Einsicht
annimmst, so will ich dir helfen was ich kann.«
    »Das Beste wäre, du gingest mit.«
    »Nein, das kann ich nicht, ich weiß nicht warum, aber ich kann nicht. Aber
das habe ich nicht verschworen: wenn du mir schreibst, dass dir's beim Ohm gut
geht, da komme ich nach. So in den Nebel hinein, wo man nichts weiß ... ich
ändere nicht gern, und ich hab's ja eigentlich gut hier. Aber jetzt lass uns
überlegen, wie du fort kommst.«
    Es ist eine Eigenheit vieler Auswandernden, und gibt Zeugnis von einer
finsteren Seite der Menschennatur überhaupt und unserer vaterländischen Zustände
insbesondere, dass die lebendig Scheidenden gern noch vor ihrem Abgang ungestraft
Rache nehmen, und bei Vielen ist es das Erste was sie in der neuen Welt tun,
dass sie nach der alten Welt an die Gerichte schreiben, und allerlei Angebereien
über geheimgebliebene Verbrechen machen.
    Es waren schreckliche Beispiele dieser Art in der Gegend vorgekommen, und
Barfüßele flammte darum doppelt im Zorn auf, weil auch ihr Bruder sich zu den
aus dem Verstecke Schiessenden hatte gesellen wollen. Darum war sie jetzt doppelt
zufrieden, als sie den bösen Willen Dami's besiegt hatte; denn tiefer als alle
Wohltat erquickt das innere Gefühl, einen Andern von Laster und Irrweg
zurückgeführt zu haben.
    Mit der ganzen sichern Klarheit ihres Wesens erwog sie nun alle Umstände.
Die Frau des Ohms hatte an ihre Schwester geschrieben, dass es ihnen wohlgehe,
und so wusste man den Aufenthaltsort des Ohms.
    Die Ersparnisse Dami's waren sehr gering, und auch die Barfüßele's reichten
nicht voll aus. Dami sprach davon, dass die Gemeinde ihm eine namhafte Beisteuer
geben müsse; die Schwester wollte nichts davon wissen, und sie sagte: »Das soll
das Letzte sein, wenn alles Anders fehlgeschlagen hat.« Sie erklärte nicht, was
sie noch sonst versuchen könne. Ihr erster Gedanke war allerdings, sich an die
Landfriedbäuerin in Zusmarshofen zu wenden; aber sie wusste, wie solch ein
Bettelbrief einer reichen Bäuerin erscheinen müsse, die vielleicht auch nicht
einmal baar Geld habe; dann dachte sie
