 allein im Walde ritt, ein Räuber einem anderen, der auf ihn
angeschlagen hatte, zurief: »Lass, es ist der Graf von Kastell!« und es nur eines
Wortes von ihm bedurfte, um die beiden als Spürhunde in seinen Dienst zu ziehen.
Es ist die Frage, wer mehr getan hat, die Wälder zu säubern und die
Diebesherbergen auszufegen, der hohe Reichsgraf zu Dischingen oder der in den
Staub getretene Metzgerknecht von Ebersbach. Ihm selbst wenigstens scheint sein
unbesiegbares Selbstgefühl zugeflüstert zu haben, dass er in seinem Gefängnis
eine nicht unwichtige Person geworden sei, und er braucht in seiner Aufzeichnung
mitunter Ausdrücke gegen die Obrigkeit, wie sie ein Vorgesetzter sich gegen
seine Untergebenen erlaubt. »Wiewohl ich weiß«, sagt er an einer Stelle, »dass
viele Räuber gefangen zu Karlsruhe liegen, will ich nur desto eher zeigen, dass
die Herren von Durlach oder Karlsruhe eine sehr liederliche Kenntnis Yon
denselben haben, und es ihnen gewiss nicht geoffenbaret worden, wie ich es melden
werde.« Dann nimmt er oft einen ganz befehlshaberischen Ton an. »Nur diese in
Yerhaft genommen!« ruft er, wo von einer Frau die Rede ist, die er erschrocken
und weichherzig im Gegensatze gegen ihre hartgesottene Familie nennt: »von ihr
kann man alles herausbringen, wenn man derselben nur mit guten Worten begegnet.«
»Nur gefragt, wo er den blauen Mantel hergenommen, den er habe!« kommandiert er
gegen einen Hehler, der sich wahrscheinlich mit der Furcht vor den Räubern
entschuldigen werde, was man ja nicht gelten lassen solle. Ein andermal schreibt
er genau das Verfahren vor, durch welches man einen gaunerfreundlichen Wirt zum
Geständnis zu bringen habe: »Man frage ihn auf Pflicht und Eid - wofern er etwas
ableugne, so solle er gewisslich auf die Galeeren kondemniert werden - er solle
redlich sagen, wie es mit dem Raub zugegangen, er solle sagen, woher er den
Kattun, den er über sein Bett gezogen, genommen habe, er solle sagen, was für
Sachen der Jude, der im Ort wohnt, in seinem Hause gekauft habe« u. dgl. mehr.
Auch darf nicht verschwiegen werden, dass ihn an einigen Stellen die Liebe zum
Leben mit vielleicht nicht ganz unbestimmten Hoffnungen beschlichen zu haben
scheint. »Wann ich in das Amt komme, will ich die Dörfer schon melden«, sagt er
an einer Stelle. Die Auslegung steht jedem frei. Gewiss aber schickt sich Verrat
um höherer Zwecke willen am besten für den Sterbenden, der keinen Lohn mehr
nehmen kann, und zum begnadigten Diebsfänger war wohl ein Konstanzer Hans, eine
leichter angelegte lustige Haut, gut genug. - Die Volkssage behauptet, der »Karl
Herzog«, wie sie ihn
