 bei einem Einbruch
davontragen, reicht oft nicht, um einen Tag zu leben, während ich auf einem
guten Markt, wie sie am Rhein drüben sind, ein paar hundert Gulden an einem
einzigen Tag verdienen will.«
    »Vom Weibsverdienst zu leben, das war nicht nach meinem Geschmack«,
versetzte der Gast.
    »Und ich«, erwiderte sie, »möcht mich nicht von einem Mann erhalten lassen.
Lieber will ich ihn erhalten, wenn mir einer gefällt.«
    »Die Männer sind nicht so müßig dabei, wie man meint«, sagte die Alte. »Sie
haben auf dem Markt einen wichtigen Dienst zu versehen. Einmal müssen sie ihren
Schottenfellerinnen die Waren in Sicherheit bringen, damit diese, wenn gerade
ein guter Tag ist, wieder ihrer Arbeit nachgehen können. Dann müssen sie den
Markt bewachen, nicht bloß gegen die Fleischmänner, die dort Aufsicht halten,
sondern oft auch gegen Bekannte, die sich einen Anteil vom Ertrag nehmen wollen
und vorgeben, man habe ihnen den Markt verderbt. Ein Mann hat also oft alle
Hände voll zu tun, wenn der Markt glücklich ausfallen soll, und einer allein ist
nicht immer Manns genug, denn wenn's Lärmen gibt, die Fleischmänner über die
Weiber herfallen und sie gefangen nehmen wollen, so müssen die Männer sie oft
mit Gefahr ihres Lebens befreien.«
    »Das lässt sich eher hören«, sagte der Gast.
    »Ja«, fiel der Zigeuner ein, »da ist im Pfälzischen drüben so ein
vermaledeiter Kerl, der Kastor, der's mit der Kostenbärbel und ihrer Tochter
hält. Der führt eine schöne Polizei auf den pfälzischen Märkten, lässt die beide
Kanaillen unter seiner Aufsicht stehlen, soviel sie wollen; aber andern
ehrlichen Leuten, die ein Geschäft machen wollen, passt er um so schärfer auf und
jagt ihnen alles wieder ab, nicht für das Amt, sondern für seinen eigenen Sack.
Auf dem Bruchsaler Markt, weißt, Margarete, wie wir einmal miteinander dort
gewesen sind, da hat er mich auf einmal mit meinem Namen angeredet und hat mir
mit Verhaftung gedroht, wenn ich ihm nicht sechs Karolin gebe. Unser ganzes
Vermögen bestand damals in einem Schwerttaler und einem Stückchen Wollendamast.
Das hat er uns alles abgejagt und der Margarete noch obendrein ihre Haube mit
feinen Spitzen, die nicht einmal vom Markt und wenigstens fünf Guldenwert war,
und hat uns versprochen, dass er's uns auf dem Germersheimer Markt wiedergeben
wolle, wenn wir uns gut halten und ihm die Hälfte unseres dortigen Ertrages
abtreten wollen. Hätt ich einen einzigen entschlossenen Mann bei mir gehabt, wie
ihr drei seid, da hätten dem infamen Kerl die Ohren sausen sollen.«
    »Bei einem Nachtgang«, bemerkte Schwamenjackel
