, was oft acht Tage und darüber ansteht, allen ihr
regelmässiges Taggeld nebst Unterhalt, und wenn das Unternehmen gut ausfällt,
noch obendrein jedem seine Portion. Nach der Verteilung der Beute stellt er sie
in einen Kreis, liest die Namen ab und heißt sie dann einzeln auf verschiedenen
Wegen sich fortmachen, nicht trinken, nicht spielen, bloß bei den Juden über
Nacht bleiben und still zu Hause warten, bis er sie auf einen anderen Koch
zusammenberufen werde. Bei dem Unternehmen müssen sie streng Order parieren, und
es wird nicht jeder angenommen, sondern scharfe Auswahl gehalten. Der
Jägerkasperle - du wirst ihn kennenlernen, wir erwarten ihn täglich hier - der
hat einmal mitgehen wollen, aber der Leutnant Löw hat ihn bei der Musterung von
oben herab angesehen und gesagt, was man denn mit dem kleinen schlechten Kerl
tun wolle, es seien ohnehin Leute genug da, man solle ihm etwas geben und ihn
fortweisen. Darauf hat ihm ein Unterbefehlshaber einen Gulden geschenkt; der
Kleine ist heut noch wild darüber.«
    »Das war auch nicht recht«, bemerkte Bettelmelcher, »denn der Jägerkasperle
ist zwar nicht groß, aber ein solch rahner, flüchtiger, gewandter Bursch, dass
er's mit dem Teufel aufnimmt, freilich mehr in List als Gewalt. Er lobt
besonders den Welzheimer Markt. Ich freue mich sehr auf den lustigen Bürsten-und
Kehrwischhändler, der sich die Leute durch so hohe Preise vom Leib zu halten
versteht, dass ihm gewiss niemand seinen nötigen Vorrat abnehmen wird. Auch auf
sein kleines sauberes Frauele freu ich mich: sie ist eine treffliche Bemutter
und wird nicht leicht eine so geschickt einen Beutel wegzustibitzen wissen.«
    »Jawohl«, sagte der Zigeuner. »Diese Juden«, fuhr er in seiner
unterbrochenen Rede fort, »sind ganz verfluchte Kerls. Sie haben ein Regiment
und Staat errichtet, dergleichen zwischen Rhein und Donau nirgends ein ähnliches
existiert, und die Sache wär wohl der Nachahmung wert. Sie müssen einen
unbegreiflichen Profit davon haben, denn sie zahlen nicht bloß nobel aus,
sondern wenn ein Unternehmen missglückt, so fallen alle Kosten auf sie allein.
Und doch haben sie immer Geld genug, tragen goldene Uhren, gehen im feinsten
Tuch proper gekleidet, und die vornehmsten Juden halten es mit ihnen. Wollen
wir's nicht auch einmal probieren?« setzte er lächelnd gegen den Gast hinzu.
    »Da wird's für einen Anfänger nötig sein, sich ein hebräisches Wörterbuch
anzuschaffen«, bemerkte die alte Zigeunerin mit wohlmeinendem Tone gegen
denselben, »denn das Jenische reicht bei ihnen nicht ganz aus, sie mischen mehr
hebräische Wörter darunter. Übrigens«, wendete sie sich gegen ihren Sohn, »sehe
ich nicht ein, warum man den Juden
