 besser als
mancher, der in der Tugend und in der Wolle sitzt. Wie's dem Armen zumut ist,
das begreift doch nur wieder der Arme, aber eben darum können sie einander nicht
viel helfen. Ich glaub, der Schlucker hat ein paar unerzogene Kinder.«
    »Viere!« sagte Christine. »Er hat aber gesagt, du habest ihm hie und da
einen Schoppen eingeschenkt, und das werd er dir gedenken. Die Herren haben mir
nichts geben als böse Wort. Sie haben mir bedeutet, ich dürf mich nicht aus dem
Flecken entfernen, weil die Sach ans löbliche Oberamt berichtet werden muss',
von wegen deines bösen Lebens. Dort sind sie auch bald mit mir fertig gewesen.
Ich hab mein Kind vor dürfen zur Welt bringen und ein paar Wochen pflegen, und
dann hab ich eben ins Zuchthaus wandern müssen.«
    »Auf zwei Jahr!«
    »Nein, denk nur, auf unbestimmte Zeit, bis die Aufseherin mir das Zeugnis
geben hat, ich sei jetzt so, dass man mich entlassen könn, und das ist bloß daher
kommen, dass ich gehört hab, du seist von Hohentwiel ausgeflogen, denn unartig
bin ich zwar nie gegen sie gewesen, aber immer still, bis die Freud über mich
reinbrochen ist, und dann hab ich ihr alles getan, was ich ihr an den Augen
abgesehen hab, und zuletzt ist sie für mich gut gestanden, dass man mich hat
springen lassen, weil ich jetzt ganz bessert sei.«
    »Die Art gefällt mir erst noch«, bemerkte er. »Würd im Zuchthaus immer
väterlich und mütterlich regiert, so dass das Haus seinen Namen verdiente und die
Leute darin zur Zucht gebracht würden, so wär's das beste, sie auf unbestimmte
Zeit hineinzutun, bis der Zuchtvater oder die Zuchtmutter sie wieder
freisprechen würden, und bekäm das vielleicht manchem gut, der jetzt andere zum
Zuchthaus verdammt. Und dann möcht man einen, der nicht gut tut, meinetwegen auf
lebenslänglich drin lassen; nur weiß ich keinen Menschen, dem ich ein solches
Urteil anvertrauen möchte, als höchstens meinem seligen Waisenpfarrer. Aber die
gewöhnliche Art von Zuchtausstrafen - für das und das Vergehen soundsoviel
Wochen oder Monate oder Jahre - das kommt mir immer vor wie ein Schneider, der
einem soundsoviel Ellen zu seiner leiblichen Länge anmisst, oder auch, weil ich
grad vom Wirtschaften herkomm, wie ein Speiszettel: Kalbsbraten tut soundsoviel,
Hammelsbraten soundsoviel, Schweinsbraten soundsoviel, Wein, Nachtlager,
Mittag-, Abendessen und Frühstück, alles zusammen einen Gulden und dreißig
Kreuzer. Dann gibt's auch wieder gelindere Richter, die machen's wie ein
sanftmütiger Wirt, der den Gast nicht mit einer runden Summe erschrecken will
und statt
