 länger mit dir
streiten, aber das erklär ich dir rundweg und hab's auch vor den Herren gesagt,
mein' Konsens geb ich nun und nimmer dazu.«
    »Dann steh ich wenigstens vor aller Welt gerechtfertigt da, wenn's ein
Unglück gibt«, antwortete Friedrich.
    »Und was das Rabenkind Geld kostet!« wandte sich der Sonnenwirt zu seiner
Frau. »Denk nur auch, der Amtmann tut's nicht anders, als dass die Straf in Geld
bezahlt werden soll. Fünfundzwanzig Gulden fordert er für den Fehltritt. Ich hab
gebeten, man soll's den Burschen abverdienen lassen, wie andere seines
Gelichters auch, die man in die herzoglichen Gärten nach Stuttgart und
Ludwigsburg zum Arbeiten schickt; Schimpf und Spott ist er ja schon gewohnt.
Aber der Amtmann hat gesagt, es sei nicht zu machen, und hat mir eine Verordnung
vorgelesen, worin es heißt, die Beamten sollen besser auf das herrschaftliche
Interesse sehen und, wo möglich, die Delinquenten künftig an den Beutel hängen,
statt sie ihre Strafen in öffentlichen Arbeiten abverdienen zu lassen; ja, wenn
auch nur die Terz, Quart oder die Hälfte der Strafe in Geld bezahlt werden
könne, so müsse das geschehen und könne dann der Rest, wenn es absolut nicht
anders herauszuschlagen sei, in eine Arbeitsstrafe verwandelt werden; sogar wenn
einer nur eine Erbschaft zu erwarten habe, so müsse darüber an die Regierung
berichtet und der Bescheid abgewartet werden; und wenn je die Beamten sich nicht
danach achten und dadurch das fürstliche Interesse Not leiden lassen sollten, so
werde man sich an sie selbst und an ihr eigenes Vermögen halten. Das, hat der
Amtmann gesagt, könn ich ihm nicht zumuten.«
    »Da ist's kein Wunder«, bemerkte die Sonnenwirtin, »dass die Zucht immer mehr
aus der Welt verschwindet. In der guten alten Zeit, wo man noch auf Sittsamkeit
und Gottesfurcht gehalten hat, hat man die Sünder zu einer schimpflichen Haft,
ja bei Wasser und Brot, verurteilt, damit sie auch gewusst haben, wie's tut, und
nur in Ausnahmefällen bei gebrechlichen Personen hat man die Verwandlung der
Straf in Geld verstattet. Jetzt aber ist die Ausnahm zur Regel worden, und auch
wer nicht zahlen kann, der muss wenigstens der Herrschaft den Vorteil durch
Arbeiten einbringen, damit sie ja nichts verliert. Lieber Gott, was ist das für
eine Welt! Der Reich legt das Geld hin und lacht dazu, und der Herzog, als ob's
an den Steuern nicht genug wär, lebt noch von den Sünden seiner Untertanen.«
    »Und geht ihnen mit einem guten Beispiel voran«, lachte Friedrich. »Zürnen
wird er ohnehin keinem drüber, denn es
