« fuhr der Kourtier
fort, »so vermehrt sie sich allerdings, wie die Fliegen, und geht unter dieser
Firma frei aus vor der Staatsanwaltschaft. Denn alle Geschäfte dieser kleinen
Meute des Geldmarkts gehörten eigentlich vor deren Forum.«
    »Wie das?«
    »Es ist leicht erklärt. Jeder angehende Handelsagent, der ein Bischen Witz
und Kredit hat und die Anfertigung einer eleganten Firma nebst einer
Pränumerandomiete in einer noblen Verkehrsstrasse bezahlen kann, etablirt sich
jetzt als Banquier, sucht Bekanntschaften und offerirt seine Dienste zu
Geldgeschäften. Bei der Art, wie sie diese Geschäfte dem Publikum gegenüber
ausbeuten, müssen diese Leute sämtlich reich werden, wenn sie eben nicht wieder
auf eigene Hand speculirten. Ich will Ihnen einmal vorrechnen, wie das Publikum
von den Banquiers in die Scheere genommen wird. Ein Besitzer, der kaufen oder
verkaufen will, gibt z.B. einem Banquier den Auftrag, 6000 Taler
Berlin-Hamburger Actien ihm zu verkaufen. Der Banquier berechnet dafür an
erlaubten Vorteilen zunächst halbe Kourtage für den Makler, während er
wahrscheinlich das Geschäft selbst gemacht hat, dass heißt 1/2 per mille, also
hier 3 Taler, Provision für die Besorgung 1/6 Prozent, also hier 10 Taler. Sie
werden mir zugeben, dass 13 Taler für ein ganz kleines müheloses Geschäft schon
ein recht hübscher Verdienst wären. Aber man ist weit entfernt davon, sich damit
zu begnügen! Es gilt, den Kommittenten nach dem Kunstausdruck zu schneiden, und
das geschieht in folgender Weise. Der Agent schlägt die Papiere an der Börse für
1091/2 los und berechnet seinem Auftraggeber 109, höchstens 1091/4 dafür,
vielleicht auch gar nur, wenn's ihm bei den Notirungen glückt, 1081/2. Das ist
demnach ein kleiner Extraprofit von 15, 30 oder 60 Talern bei dem einzigen
unbedeutenden Geschäft, ohne das geringste Risiko, und im Grunde doch nichts
Anderes als Betrug.«
    »Aber kann derselbe nicht nachgewiesen werden?«
    »Das ist fast unmöglich. Sie werden bereits bemerkt haben, dass zu gewissen
Personen hier fortwährend die Leute sich herandrängen und ihnen eifrig
zusprechen. Es sind dies die vereideten Makler, welche die Kourse zu notiren
haben, oder die Börsen-Berichterstatter der Zeitungen. Diesen Personen, wenn sie
nicht selbst beteiligt sind, was bei der Presse sehr häufig der Fall ist, weiß
man auf alle mögliche Weise die Notirungen nach dem eigenen Vorteil
aufzudrängen. Man sagt ihnen, hier hab' ich eben zu dem und dem Kours gekauft
oder verkauft, und auf ein Vierteloder ein halb Prozent ist die Sache oft gar
nicht zu unterscheiden. Deshalb auch finden Sie erstens in den öffentlichen
Notirungen die bezahlten Kourse oft in verschiedenen Steigerungen notirt, und in
den fünf oder sechs Kourszetteln, die hier an der Börse herauskommen und
