 die
Reisenden schieden hier, nachdem sie die Begleitung nach ihren Mitteln reichlich
beschenkt hatten. Die Frauen schossen wiederum ihre Pistolen und Flinten in die
Luft und jagten davon.
    »Nun, Doctor,« sagte lustig der Kapitain, als sie einen Augenblick auf der
Höhe des Bergpasses hielten und zurückschauten auf das ferne Tal, »was denken
Sie von unserm Abenteuer und wie haben Ihnen die Gebräuche der höchst ehren- und
achtungswerten Republik gefallen? Der Teufel soll mich holen, wenn ich nicht,
aller Censur zum Trotz, eine verlockende Beschreibung in den Moniteur einrücken
lasse. Ich bin überzeugt, die Sitte findet in Frankreich Nachahmung.«
    »Gut für Ihre orientalischen Hilfstruppen, Kapitain, dass es nur ein Madara
in der Türkei gibt. Sie könnte sonst ihr Kapua finden, nach Ihrer eigenen Miene
zu urteilen.«
    »Pah - es sind wahre Teufelsweiber, eine pariser Grisette ist eine Vestalin
dagegen. Aber sorgen Sie nicht, Doctor, unsere Soldaten werden aus den
wohlverbarrikadirten Harems unserer werten Bundesgenossen Madara's genug zu
machen verstehen, trotz aller Tagesbefehle des Marschalls. Tausend Donnerwetter,
ich denke mir ein Regiment unserer Jäger oder der Zuaven in unser eben
verlassenes Nachtquartier einmarschiren. He, Monsieur Kiradschia, alter Sünder -
wie ist's Euch ergangen in dieser Nacht?«
    »Hast Du Etwas erfahren in Betreff des Auftrags Deines Freundes, des
Janitscharen-Baschi's?« fügte der Arzt hinzu.
    »Wenig genug, Signoris,« sagte der Führer, »und dennoch hat uns das Gerücht
nicht getäuscht. Das alte Weib von dem wir hörten, dass es in Madara gestorben,
muss in der Tat das verräterische Weib Melek Ibrahim's, meines Freundes,
gewesen sein. Sie war seit länger als zwanzig Jahren in Madara und muss mich oft
dort gesehen haben, wenn ich sie auch nicht wieder erkannte; denn der Oda-Baschi
hielt streng auf das Geheimnis seines Haremliks und ich habe sein Weib nur in
dichtem Schleier geschaut.«
    »Woher schließt Du dies Alles?«
    »Höre weiter, Signor. Das Weib hatte einen bösen Ruf, selbst in Madara, und
war zänkisch und boshaft. Die jungen Frauen fürchteten sie wie den Teufel. Sie
war schwer erkrankt und mochte ihr Ende fühlen, obschon sie zwanzig Jahre
weniger zählt, als der Jenettschjeri, ihr Gatte. Ich weiß nicht, ob sie je
erfahren hat, dass er gerettet wurde aus dem Gemetzel zu Konstantinopel, aber ich
vermute es jetzt, dass sie Kunde bekommen von unseren späteren Nachforschungen
und deshalb sich nach Madara geflüchtet hat. Als der Tod ihr auf der Zunge saß,
hat sie einen Schreiber aus der Nachbarschaft kommen und ihn einen Brief
schreiben lassen. Diesen und ein Paket hat sie
