 vorher sorgfältig geprüft und
sich dann darauf niedergelassen. Herr Schellinger machte es seufzend und mit
empor gezogenen Augenbrauen ebenso, nur schlug er die Hände über einander, die
Jener fröstelnd in seine Hosentaschen gesteckt hatte.
    »Du weißt also,« begann Richard, »worum es sich eigentlich handelt; wir
wollen, wenn es möglich ist, der Katarine, der armen Weibsperson, wieder zu
ihrem Kinde verhelfen, das, wie du selber meinst, da drüben in dem Hause ist.«
    »Der Beschreibung nach vermute ich das wohl,« erwiderte der Schneider; »sie
ließ mich freilich nur einen kleinen Blick in den Affenstall hinein werfen,
aber da sah ich so ein Ding, wie man es mir beschrieben, auch hatte es ein
blaues wollenes Kleid an.«
    »Und es sah in dem Stalle so jämmerlich aus.«
    »O,« erwiderte kopfschüttelnd Herr Schellinger, »über alle Massen. Ich habe
auch da hinten herum mancherlei Elend gesehen, namentlich bei den
Frosch-Indianern; die wohnen nämlich in Sümpfen und quacken wie die Frösche.
Beiläufig gesagt, behauptet man, von ihnen stammen die amerikanischen Quäcker
her; ich habe aber hierüber nicht in's Klare kommen können. - Die
Frosch-Indianer nun haben die sehr schlechte Gewohnheit, sich gegenseitig ihre
Kinder aufzuessen, und da das doch die Regierung der Vereinigten Staaten, wo sie
naturalisirt sind, nun einmal nicht leiden kann, so hat sie große
Kleinindianerkinderbewahranstalten errichten lassen, wo es aber, unter uns
gesagt, arg genug hergeht.«
    »Ich will dir das recht gern glauben,« sagte einigermaßen ungeduldig der
Zimmermann. »Aber jetzt handelt es sich nicht von Frosch-Indianern, sondern von
Meister Schwemmer und der Katarine ihrem Kind. - Du weißt also genau, was du
bei der Geschichte zu tun hast?«
    »Ja, ich weiß es,« antwortete der Garderobe-Gehilfe; worauf er in tiefem
Nachsinnen seine Hände auf den Knieen faltete und den Kopf auf die Brust sinken
ließ. »Ich weiß es ganz genau. - Aber da war dazumal bei den Frosch-Indianern -
nein, nein! ich irre mich: es war bei den Vögelnegern! - ein ganz verfluchter
Kerl, eigentlich ein Verbrecher. - Richard, hast du je Schillers Verbrecher aus
verlorener Ehre gelesen?«
    »Ich glaube wohl; aber bleibe bei der Sache, Schellinger?«
    »Gleich, gleich, lieber Richard,« erwiderte jener sanftmütig. - »Also
dieser Kerl - ich glaube ein Preuße - war also auch ein Verbrecher geworden,
nicht aus verlorener Ehre, sondern weil es ihm unmöglich war, irgendwo eine
Schraube festsitzen zu lassen.«
    »Ach dummes Zeug!«
    »Nein
