Gewiss, Beckere,« entgegnete die Wundel mit einem unverkennbaren Schluchzen.
    »Wirklich, Wundel, nun das freut mich.«
    »Ich habe so oft an Euch gedacht.«
    »Und ich erst!«
    »In alter Freundschaft.«
    dabei erhoben die Weiber ihre frisch aufgefüllten Gläser, stießen auf ein
gegenseitiges Wohl an und tranken darauf den warmen Punsch mit solcher
Standhaftigkeit, dass ihre Köpfe ganz rot davon wurden.
    »Ja, ja,« sagte die Becker nach einigem Stillschweigen, »es kommen mir oft
Sachen vor, bei denen ich den Rat einer verständigen und gescheidten Frau
brauchen könnte.«
    »So lasst mich zum Beispiel hören,« sprach Madame Wundel mit vieler
Bescheidenheit.
    »Ich habe da gerade eine Sache im Kopfe, die Euch aber nicht interessieren
kann, da Ihr die Personen nicht kennt; aber die Verhältnisse könnte ich Euch
mitteilen.«
    »So lasst hören.«
    »Da ist ein gewisser Staiger, - ich glaube so eine Art von Literat. - Aber
was macht Ihr für ein sonderbares Gesicht?«
    »Ah! den kenne ich ja!«
    »Den kennt Ihr?« rief Madame Becker mit einem erkünstelten, aber gut
gemachten Erstaunen. - »Ihr kennt den Staiger? - Nun, dann hat die Sache
doppeltes Interesse für Euch. - Na, seht, das freut mich!«
    »Er wohnt ja mir gerade gegenüber auf demselben Boden.«
    »Das trifft sich prächtig! - Ist die Möglichkeit! - Da kennt Ihr auch wohl
seine Tochter?«
    »Die Tänzerin? - Puh!«
    »Wie so puh?«
    »Ein Fratz, ein hochmütiger Aff!«
    »Was der Tausend! - Das müsst Ihr mir später näher erzählen. - Hat sie
Liebschaften?«
    »Bis vor Kurzem gar nichts dergleichen.«
    »Und jetzt -?« fragte die Becker besorgt.
    »Seit einiger Zeit,« erwiderte Madame Wundel, »zeigt sich hie und da so was
im Haus, ein junger Mensch, recht gut aussehend, - er hat freilich mit dem Alten
Geschäfte, aber uns macht man nichts weiß; wir kennen das.«
    »Ja, wir kennen das,« sagte die Andere nachdenkend. - »Und wer ist der junge
Mensch?«
    »Seinen Namen weiß ich nicht, aber auf alle Fälle was Reiches oder
Vornehmes.«
    »Wohl ein Offizier?«
    »Das glaube ich nicht; nein, nein! auf alle Fälle Civilist. Oft fährt er in
einer Droschke an.«
    »Und das Mädel?«
    »Ich weiß nicht, wie weit sie was mit ihm hat. Wisst Ihr, ich komme mit den
Leuten selten in Berührung; die
