 Unheil damit
geschehe, und bemerke, dass auf dem Kaminsims ein kleines verkommenes Paketchen
liegt; ich musste lachen und dachte Gewiss sind dies die armütigen Effektchen
unseres armen Kauzes von Vagabunden! Ich nahm es in die Hand und fand, dass die
Hülle vom Regen und vom Tragen aufgelöst war und auseinanderfiel, und siehe da,
statt etwa eines Strumpfes oder eines Schnupftuches, wie ich dachte, fällt mir
ein ganz durchnässtes Buch in die Hand; neugierig schlage ich es auf und sehe
lauter Geschriebenes, und indem ich die erste Seite lese, vermute ich sogleich,
dass Sie Ihre eigene Geschichte geschrieben haben. Ich sehe das Ding etwas
genauer an und erkenne an den Data, dass es Ihre Jugendgeschichte ist, die Sie
schon damals mit in die Fremde genommen haben und mit welchem Buche der
Erinnerung, als Ihrer letzten Habseligkeit, Sie sich wieder aus dem Staube
machen! Ich laufe mit den Sachen zurück und rufe: Seht, Leute! Unser Mensch
schlägt sich mit seinem Jugendbuche durch Regen und Sturm, wie Vetter Kamoens
mit seinem Gedichte durch die Wellen! Der Spaß wird köstlich! Dortchen nimmt das
Buch und besieht es von allen Seiten. Ach du lieber Himmel, ruft sie, das arme
Buch ist ja durch und durch nass und droht zugrunde zu gehen! Das muss sogleich
getrocknet werden! Es wird ein frisches Feuer in den Ofen gemacht, das Mädchen
setzt sich auf ein Taburettchen davor und hält das Buch, die Blätter
auseinanderschüttelnd und es umwendend und kehrend, sorgfältig an das Feuer, und
in weniger als einer Viertelstunde ist das tapfere Werk heil und gerettet. Nun
aber lasen wir noch länger als zwei Stunden darin, an verschiedenen Stellen, und
wechselten mit dem Vorlesen ab, und diesen ganzen Vormittag hab ich auf meiner
Stabe darin gelesen. Auf den letzten Blättern stehen einige Gedichte, die haben
Sie allem Anscheine nach erst neulich gemacht und hineingeschrieben?« Heinrich
bejahte dies und wurde rot, und der Graf fuhr fort »Ich will mich gar nicht
entschuldigen für unsere Indiskretion; es macht sich so alles von selbst, und
wir wollen unsere Unverschämtheit nun mit gänzlicher Freundschaftlichkeit
abbüssen. Zuerst muss ich Sie einmal küssen, Sie sind ein allerliebster Kerl!«
    »Bitte, Herr Graf!« sagte Heinrich und duckte sich ein bisschen unter die
Decke, »Sie sind allzu gütig; aber ich mache mir nicht viel daraus, Männer zu
küssen!«
    »Ei, sieh da!« rief der treffliche Mann, »Sie schlaues Bürschchen! Aber
trotz alledem müssen Sie mich doch ein bisschen wohl leiden, ich verlange es!«
    »O gewiss, sag ich Ihnen«, erwiderte Heinrich, mit schüchternen und doch
zutulichen Worten; »ich kann Sie gar nicht genug
