 gibt er
mir nicht für Ratschläge, dass Sie in der Kampagne zu Ihrer Gesundheit tun und
mitnehmen sollen, und bittet mich, dass ich Sie beschwören soll. Sie möchten sich
nicht zu sehr exponiren.« - »Wenn er mir den Rat ins Gesicht gäbe, würde ich
wissen, wie ich ihm ins Gesicht antworte; ein Soldat tut nur seine
Schuldigkeit.«
    Sie lächelte ihn ruhig an: »Ich weiß es schon. Grade so würden und müssten
Sie sprechen, hat er zu mir gesagt. Darum hat er mir auch verboten, Ihnen von
den Salben und Pulvern zu geben; Sie würden lachen und den Plunder in den Graben
werfen. Der Beste und der Klügste ändert's nicht, was kommen soll, und das ist
das Wunderbare in unsrer Bestimmung, sagt er, dass man das weiß, und sich doch
immer wieder gedrungen fühlt, den Rat zu geben, der nicht befolgt wird. So hat
er's auch mit der Lupinus gemacht. Wie er es ihr auch zu verstehen gegeben, dass
es nur Achtung und Verehrung von ihm sei, sie hat's für Liebe gehalten. Und wie
er jetzt auch sich Mühe gibt, dass ihre Unschuld an den Tag kommen soll, er weiß
doch, sie werden nicht auf ihn hören, denn die Menschen rennen alle in ihr
Verhängnis, und er preist die am glücklichsten, die nicht klug sind, und nicht
Alles sehen wollen, denn ihnen werden viele Qualen gespart. Darum, sagt er, hat
er uns so lieb, ob er schon weiß, dass ich ihm nicht gut bin und Sie ihn gar
nicht mögen. Da ist auch alle Mühe umsonst, setzte er hinzu, alle Beweise helfen
nichts, und der Misstrauische weiß sogar in der guten Tat die man ihm erzeigt,
eine heimliche böse Absicht herauszulesen.«
    Dem Herrn von Dohleneck ging es dumpf durch den Kopf: »Wenn man sich doch
getäuscht hätte!«
    »Das sagt er ja auch. Wenn in der letzten Stunde nur die Enttäuschung käme!
Wenn er da liegt auf dem Felde der Ehre, und die Lüfte trügen mir wenigstens mit
Aeolsharfenklang sein Geständnis zu: Ich habe mich in Dir geirrt! Das wäre
wenigstens ein Trost!« - »Donner und - Himmeldonner! Er macht mich doch nicht
bei lebendigem Leibe tot!«
    Der Obristwachtmeister Stier von Dohleneck hatte nicht die Veränderung
gesehen, die auf dem Gesicht der Baronin vorgegangen. Die Tränen stürzten aus
ihren großen, schönen Augen; sie zitterte: »Ja, mein inniger, einziger Freund,
er hat eine Ahnung - er wollte schweigen - ich erpresste ihm das Geständnis -
Ihr zügelloser Mut - er sah Ihr Blut fließen - Wir ändern's nicht
