 auf ihn geworfen! Und
wie hatte er es ihr vergolten! - Alls dem Voigtlande musste er herkommen, um
Andern das Verdienst wegzuschnappen, und dann will er er noch Polizei spielen
über Berliner Stadtkinder! Himmelschreiende Anmassung!
    Der honette, propre, adrette, immer baar zahlende Herr Hoflackirer wäre
gewiss noch schlimmer mitgenommen worden, hätte nicht die Polizei jetzt wirklich
mit vielem Geräusch versucht, die Gruppirung auseinander zu treiben. Sie jagte
sich mit den Gassenjungen. Die anständigen Leute ersuchte sie auseinander zu
gehen, denn je weniger jetzt zu sehen war, um so mehr drängten sich, um noch zu
sehen, was Andere vor ihnen gesehen hatten. Die ursprünglichen Tumultuanten
waren langst entwischt, und die ehrbare Familie des weiland Hufschmied, jetzigen
Knopfhändlers, schon auf dem Wege nach dem Hofjäger, wo sie, nach einigen
Nachrichten, die wir aber nicht verbürgen wollen, sich mit der des Hoflackirers
verständigte, indem sie herausfanden, dass es nichts als ein Missverständnis
gewesen, was sie an einander gebracht.
    Unter den ehrbaren Bürgern war sehr ernsthafter Disput über den Vorfall. Um
so besseres Streiten, als kaum Einer von denen, die stritten, noch mit Augen
gesehen, um was es sich stritt. In einem Punkt nur waren Alle einig: Warum war
die Polizei nicht früher gekommen? »War denn die Polizei überhaupt nötig?«
sagte der Begleiter einer ältlichen Dame, der etwas Fremdartiges an sich hatte.
Er war aus Amerika nach einem langen Aufenthalt daselbst in seine Vaterstadt
zurückgekehrt. Man sah ihn verwundert an. »Haben Sie denn da keine Polizei?« -
»Wo man sie braucht. Was sich von selbst schlichtet, dazu ruft man sie nicht.« -
Die ehrbaren Männer schüttelten den Kopf: Es war ja ein Skandal! - »Doch nur für
die, welche sich um solche Bagatellenstritten.« Aber es ward ein Auflauf: es
hätte noch schlimmer werden können. Einer musste doch beispringen. »Hätten die
Nachbarn und ehrbare Bürger sich nicht selbst helfen können, wenn es ihnen zu
arg ward?« Man verstand ihn nicht. Das wäre noch hübscher, ehrbare Bürger um so
was zu inkommodiren! Die meisten Nachbarn meinten, es liege an der
Unvollkommenheit der Gesetze, man solle andere machen; nur waren sie
verschiedener Ansicht über das wie? Den Strassenjungen sollte verboten werden,
auf der Straße zu schreien, verlangte der Herr Tabakskrämer drüben. Der
Schullehrer meinte: den Frauenzimmern müsse untersagt sein, in einem Putz auf
der Straße zu erscheinen, der über ihren Stand ginge, denn daher komme doch die
ganze Geschichte. Ein Dritter: man solle nicht Jedem erlauben, auf der Straße zu
plumpen, denn das sei der eigentliche Quell. Man kam zu keiner Einigung.
