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    »Alle sind nicht wie Sie. Solidität wird eine immere rarere Eigenschaft, und
der Krieg ist ein grausam Vergnügen. Wer weiß, wer zurückkommt und wer da
bleibt! Wenn nun Alle blieben, wer soll da bezahlen. Wie viele Kaufleute sind
mit ruinirt.«
    Der Rittmeister sah mit Verwunderung wie der Kaufmann eine ganze Partie
ähnlicher Papierstreifen auf den Tisch legte. Es überkam ihn ein Schauer in der
Seele Derer, die sich mit ihrem Namen darunter geschrieben, seine Stirn aber
runzelte sich bei der Vorstellung, dass der alte Geldmann ihn etwa ausersehen, um
über die Verhältnisse seiner Kameraden Auskunft zu geben. Ein schlauer
Seitenblick des Andern las, was in seiner Seele vorging. »Wie werde ich denn
einen Offizier zum Zeugen aufrufen gegen seine Kameraden! Das weiß ich, jeder
Offizier muss für den Andern gut sagen -«
    »Na hören Sie, was das anbetrifft!«
    »Wir verstehen uns ja! Kavalierparole ist sehr was schönes. Gibt gar nichts
schöneres in der Welt. Aber bei Wechseln, da halten wir Kaufleute, 's ist so 'ne
alte Usance, uns an andre Dinge. Wer ins Feld marschirt z.B. kann nicht Alles
mitnehmen; man erleichtert's den Herren, nimmt ihnen was zu schwer ist ab. Hatte
da eben eine kleine Konferenz mit unserm Manteuffel. Das ist ein praktischer
Mann.«
    »Hol' ihn der Teufel!« sagte der Rittmeister.
    »Weiß wohl, dass ihm die Herren Offiziere nicht sehr grün sind. Ja, lieber
Himmel, wenn mal 'ne Sache unterm Hammer steht, gibt er sie weg um jeden Preis.
Das ist wahr. Ist nu mal nicht anders. Die Moral ist, man muss es nicht dahin
kommen lassen. Was nun des Herrn Rittmeisters kleinen Wechsel anbetrifft, so
machte mir Herr Manteuffel die Proposition -«
    »Seelenmann, Sie werden mich doch nicht an Manteuffel verkaufen?«
    »Verstehen Sie mich, er wollte Sie einem Andern abgeben.«
    »Das ist ja Seelenverkäuferei!«
    »Sagte ich auch. Und ich wusste ja nicht, ob Sie gern mit dem Herrn in
Konnexionen kämen. Nun wir kennen uns! Aber der Herr ist ein Fremder, und voll
hätte er auch nicht gezahlt, und wie gesagt, wer weiß, ob Ihnen das recht ist,
an den Legationsrat von Wandel abgegeben zu werden.«
    »Der!« Der Rittmeister legte schwer seine Hand auf den Tisch.
    »Sehen Sie, das hab' ich Manteuffeln auch gesagt. Er ist ja ein Ausländer!
Sollen wir preussisches Blut, einen Soldaten unsres Königs, an einen Fremden
verraten? Wissen Sie denn, in wessen Diensten der Herr ist? Kann er nicht ein
