? - Haugwitz war freilich beim L'hombre neulich ganz
konsternirt. Aber er leidet am Magen.«
    »Excellenz, ich muss gestehen, die Sachen wachsen mir über den Kopf. Eine
Bewegung wie eine Völkerwanderung. Und wir so ganz allein in der Mitte!«
    »Sollen wir darum auch wandern!«
    »Napoleon lässt seine Truppen von Bologne und vom Rhein heranrücken. Marmont
führt sein Korps von Mainz her, Wrede eins von der oberen Donau, Davoust aus
Schwaben. Das ist genug um die Oesterreicher zu erdrücken. Und nach Allem, was
man aus Paris schreibt, genügt es ihm diesmal nicht, seinen Feind zu schlagen,
er will ihn vernichten. Sie studirten vorhin die Karte, sind Sie nicht der
Ansicht, Herr von Fuchsius?«
    »Wenn die Russen nicht zu ihm stoßen, sei Mack geliefert, war Herrn von
Eisenhauchs Meinung. Napoleon développirt Kräfte wie nirgend zuvor.«
    »Kann er nicht,« warf der Minister ein.
    »Wer hindert ihn?«
    »Wir. Bernadotte steht mit Hunderttausend in Hannover. Lassen wir ihn nicht
durch, so ist Bonaparte ohne ihn nicht stärker, als die Oestreicher.«
    »Und wenn er nun doch stärker wäre!« rief Bovillard.
    »So lasst sie sich die Köpfe zerschlagen. Wir haben Profit tout clair.«
    »Wenn aber Napoleon unsere Neutralität nicht respektirt!«
    »Lassen wir die Russen durch. Sie sind doch sonst ein so ruhiger Mann.
Alteriren Sie die Vorwürfe, die man Herrn Lombard macht? Oder kümmert Sie Ihr
Sohn? Das ist ja nun auch abgemacht.«
    »Ich weiß nicht, Excellenz, es ist mir zuweilen wie in einer Gewitterluft.«
    »Gehen Sie nach Karlsbad. Zwei Becher Sprudel täglich, nachher drei. Drei
Wochen lang. Ist Alles vorbei, ist Alles nur Imagination.«
    »Excellenz mögen recht haben,« sagte Bovillard, sich zum Gehen anschickend.
»Nochmals meinen Dank, dass Sie sich meines fils perdu angenommen.«
    »Nicht der Rede wert. Aber, wie gesagt, fort muss er, wenn er abgesessen
hat. Leidet auch an Imaginationen. Die Reden, die er führt, sollen ja exekrabel
sein.«
    »Er hat sie nicht von mir.«
    »Assurément! Aber eben darum. Ist für Sie selbst am besten.«
    »Gewiss! aber wie?«
    »Ihr Herr Sohn,« sagte Fuchsius benimmt sich diesmal weit gefasster im
Gefängnis, »ja er hat selbst erklärt, es wäre ihm lieb, Berlin und Preußen auf
immer zu verlassen.«
    »Charmant!« sagte der Geheimrat. »Aber wohin? Wenn wir Kolonien hätten!«
    »Wenn wir die hätten!«
