 doch eines Jeden Pflicht, dafür zu sorgen, dass seine
Uhr richtig gehe.
    »Für seine eigene mag er sorgen, lieber Herr van Asten, aber nicht um die
Rathausuhr.«
    Lupinus sah ihn dabei sehr pfiffig an. Walter errötete wieder: »Sie möchten
unsern Staat wieder auf die Beine bringen. Da ließ Sie neulich einen Zettel
fallen - warten Sie, wo hab' ich ihn gleich hingelegt? - Hier! Das ist wohl kein
Excerpt, so mit frischer Tinte, recht frisch aus dem Herzen geschrieben: Dass ein
Staat, der bestehen will, der Sitten, oder, wo diese fehlen, kräftiger Männer
zur Ausführung kräftiger Maßregeln bedürfe, gewahrt Niemand. Die Augen gehen
erst in der Not auf.«
    Walter steckte hastig den Zettel in die Brusttasche: »Zu einem Briefe -«
    »So, also ein Brief! Da wollte ich Sie nur bitten, sich an den zu erinnern,
welchen der junge Herr Gentz bei der Tronbesteigung an seine Majestät den König
schrieb. Das war mal genial! Wie riss man sich darum! Da lag's doch klar, wie ein
umgestürzter Pudding auf der Schüssel, wo's bei uns manquirte, was anders,
besser nun gemacht werden sollte. Man brauchte nur zuzugreifen, gar keine Mühe
sich zu geben, nur zu tun, zu decretiren, wie's der junge Herr Gentz den
Ministern wies. - Haben sie's getan? Haben sie zugegriffen? Nichts angerührt,
's ist Alles beim Alten geblieben. Und Herr Gentz? Ist er Minister,
Kabinetsrat, Präsident geworden? Er blieb Kriegs- und Domainenrat, hatte
niemals Geld, aber immer Schulden. Bis es ihm hier zu langweilig ward, und er
fortlief, nach Österreich. Seine Sachen brauchte er nicht zu verkaufen, dafür
sorgten schon seine Gläubiger; aber seine Grundsätze, die waren lange vorher
schon versilbert. Na, an wen ist denn Ihr Brief gerichtet?«
    Da lag sein Geheimnis trocken an der Luft. Walter hatte bis da nur einen
Stolz, als freier Mann unter den drängenden Verhältnissen zu stehen. Musste ihm
der, von dem er es am wenigsten vermutete, ablauschen, was er sich selbst noch
nicht vollkommen eingestand!
    Lupinus musste seine innersten Bewegungen verstanden haben.
    »Junger Freund! Warum denn gegen sich selbst unwahr sein! Was die Freiheit
ist, hat weder Plato noch Seneca erklärt, gewiss ist aber, sie gibt nichts zu
beißen und zu brechen. Ein Dichter wollen Sie nicht werden, und ein Kaufmann
auch nicht. Ganz recht, der eine kann Bankerott machen, und der andere
verhungert, wenn nicht ganz, doch beinah. Also was bleibt Ihnen, als eine
Anstellung suchen. Den Staat
