 Sie aber, als einen vernünftigen Mann, ist
das ein so unübersteigliches Hindernis? Braucht es eines Krieges um einen
Leichnam? - Denn Sie werden mir wieder zugeben, es ist jetzt nur noch ein
Leichnam. Sollen wir um point d'honneur so eigensinnig sein, darum Blut
vergießen, einen Krieg anfangen, der sechszigtausend Menschen kosten kann, darum
das Wohl von Hunderttausenden, von Millionen auf's Spiel setzen? Unsere
Seehandlung, unsre Zuckerfiedereien, unser Messingwerk in Neustadt-Eberswalde?
Ich bitte Sie, Ruh' und Frieden unserer Bürger - was wirst die
Porzellanmanufaktur nicht ab: wenn auch die Juden nicht mehr kaufen müssen zu
ihren Hochzeiten, wir haben ja schon die Meissner Fabrik überholt - das ist auch
ein Ehrenpunkt! Und unsere Gold- und Silberfabrik, und unser Pfandbriefsystem;
wir können ja Geld machen, so viel wir wollen, nur die Güter höher abgeschätzt,
als sie wert sind; und alles das sollen wir leichtsinnig hinopfern um einen
sogenannten Ehrenpunkt! Das fordern gewisse Menschen! Wissen Sie, was ich
glaube, dass der geheime Grund von Lombards Sendung ist? - Er soll versuchen, ob
Napoleon sich nicht abfinden lässt mit Friedrichs Rock und Hut. Ja, ich vermute
noch etwas. Besteht der Kaiser drauf, so geben wir auch die Krücke, aber das
wäre auch das Ultimatum - den Leichnam, nein, nimmermehr! Wenigstens für jetzt
nicht. - Bester Kammerherr, ich lese Ihre Gedanken, Sie wollen sagen, das sei
wieder nur ein halber Schritt, Napoleon würde doch nicht eher ruhen, bis er das
Ganze, bis er Friedrichs Sarg in Paris hat, und wir würden auch da nachgeben.
Möglich, aber liebster Mann, wahren Sie Ihre Zunge, wer spricht denn so was!
Grade diesen Vorwurf verträgt man nicht: Halbes, immer Halbes! 'S ist richtig,
aber es ist nun mal so. Wer änderts: Zwei Halbes macht ein Ganzes. Erst geben
wir den Rock, und dann den Leib. Und wenn man mehr will, noch mehr, Seele und
Geist, wenn - wir noch davon haben. Ein guter Untertan, lieber St. Real findet
sich in Alles. Der liebe Gott wird's zum Guten fügen, und das Genie unserer
großen Staatsmänner, und wir haben einen guten König; was will man mehr! A
propos, was halten Sie von unserm König?«
    Der Kammerherr, der sich schon zu besinnen anfing, ob nicht am Ende die Arme
der Polizei denen des Rasenden vorzuziehen wären, stammelte etwas von seinem
grenzenlosen Respekt vor Seiner Majestät.
    »Das ist mir sehr lieb zu hören,« sagte Bovillard, »vielleicht wissen Sie
auch, warum Seine Majestät jetzt so betrübt sind.
