 und Dryaden, von den Metamorphosen, und sogar von Ovid, der ein
charmanter Dichter gewesen, dass Adelheid über ihre Gelehrsamkeit erstaunte. Sie
hatte auch in ihrer Jugend bei Hofe den kleinen Schauspielen zugesehen, wie man
die Götter und Göttinnen anzog, und den Engeln Flügel anband.
    »Da könnte ich wohl manches von erzählen, was Herr van Asten nicht wissen
wird, denn er war nicht dabei. Liebes Kind, Sie müssen nur denken, die Leute
waren damals spassiger als jetzt, das wird auch Herr van Asten wissen, und Böses
war nichts bei. Denn die wurden bloß so Heidengötter genannt, wir kannten uns ja
Alle, als gute Christen, und alles Tricots, pfui, wenn Einer denken könnte, dass
es was anders war. Der Herr Kammerherr könnte Ihnen davon erzählen - ich weiß
auch gar nicht, wo er bleibt; er wollte noch mit einem vornehmen Herrn vom Hofe
zur Chokolade bei mir ansprechen - nein, sag' ich Ihnen, der weiß die ganze
Mythologie auswendig. Venus, das war die Mutter vom Cupido oder Amor, und ihr
Vater war Jupiter und sie war aus Meeresschaum geboren, und die Kinder vom Amor
waren Amoretten. Wenn der Herr Kammerherr die Amoretten anzog, das war zum
Todtlachen; Kinderchens, nicht größer als so, mit Papierflügeln, einem Gürtel um
den Leib, und Alle an einem langen Strick gebunden, der so hing, und wenn sie
artig blieben, und nicht zappelten, kriegte Jede nachher einen Honigkuchen. Ich
selbst war mal ein Cupido, na, Engelchen, das war eine Geschichte, wenn ich
daran denke! Sehen Sie, so stand ich mit einem silbernen Pfeil und sollte ihn
Jemand ins Herz stoßen, versteht sich nur von Pappe und Schaumsilber; aber wenn
ich Ihnen den Jemand nennte, da würden sie Augen und Ohren aufsperren! Es war
ein sehr reicher und vornehmer Herr, und wurde nachher noch vornehmer und
reicher. Ach, und ein Herz und ein Gemüt, so gut wie ein Kind. Da gab ein Jeder
gern sein Liebstes hin, wenn dem guten Herrn eine Freude damit geschah. Und wie
generös! Da wurden die Goldstücke nicht gezählt; nur so in der Hand gewogen. Und
einmal, es war nämlich in einer kleinen, engen Gasse, da neben der
Spandauerstrasse, zwei Stock hoch, in einem finsteren Hause, Treppen so grade
rauf, wie 'ne Leiter, und stockduster, dass man sich Hals und Bein bricht, da
kommt der Herr eines Abends rauf. Gott bewahre, er wird nicht allein ausgehen,
Einer in Livree vorauf, und zwei Herren begleiten ihn, Alle in großen Mänteln.
Nämlich er hatte in Dresden ein Bild gesehen, von einem gewissen Titus
