 müsse man es sein
Lebtag böse haben und komme doch zu keinem Vermögen. Dann sei es nicht gesagt,
dass man immer gesund bleibe und arbeiten möge wie ein Hund bis in das höchste
Alter. Am Ende wäre es besser gewesen, er wäre Knecht geblieben, dachte Uli, so
finster kam es ihm ins Gemüt. Der Uli, der vor Jahren dreihundert Taler für ein
unerschwinglich Vermögen angesehen hatte, der achtete sie jetzt für nichts und
hatte gute Lust, wirbelsinnig zu werden, weil er in einem einzigen Jahre bloß
dreihundert Taler verdient. So kann der Mensch sich ändern, so wunderlich kann
es ihm in den Kopf kommen.
    Vreneli sprach ihm zu und sagte ihm: Er mache ihm recht angst. Das sei
Undank gegen Gott, und wo der sei, da zeige Gott gerne, dass die Sache an ihm
liege, und wenn man nicht zufrieden sei mit seiner Güte, man sich fügen müsse in
seine Strenge. Es wären Tausende, welche Gott auf den Knieen danken würden, wenn
sie zu dreihundert Talern kämen. Es sei noch kein großes Vermögen, aber doch ein
schöner Anfang, es decke den Rücken und um so getroster könne man der Zukunft
warten. Dass es so viel sei, hätte es nicht geglaubt, und wenn nur Uli zufrieden
sei, so habe es den festen Glauben, es komme alles gut; aber zu viel auf einmal
wollen, das sei vom Bösen, damit verderbe man es gerne bei Gott und bei den
Menschen. Zur Beredsamkeit enfaltete Vreneli noch seine ganze Liebenswürdigkeit
und brachte es wirklich dahin dass es aus Ulis Kopf die Mücken ausjagte und
dieser, als er sich endlich aufmachte, um Joggeli den Zins zu bringen, ein ganz
zufriedenes Gesicht hatte.
    Derselbe hatte wirklich schon alle Hoffnung aufgegeben, heute sein Geld zu
sehen. Das sei Bosheit vom Uli, sagte er seiner Frau. Derselbe hätte es, er
wisse es wohl, aber er wolle ihn nur plagen; doch das solle ihn nichts nützen,
je länger er mit dem Gelde warte, desto mehr schlage er ihm mit dem Zinse auf.
Er tat noch viel nötlicher als drüben Uli, so dass auch hier das Weib das
Mittleramt übernehmen musste. Er solle sich doch schämen, so nötlich zu tun. Das
wäre wohl gut, wenn sie kein Geld mehr hätten oder sonst nicht zu leben. Es
könnte sein, dass ihm zuletzt noch lieber wäre, Uli sei ihm das Geld noch
schuldig, als dass er es in Händen habe. Es sei heute der erste Tag, wo es
verfallen sei, er solle doch denken, wie Viele froh wären, wenn sie den Zins im
ersten Jahre erhielten. Selten einem komme es in Sinn, den Zins auf den ersten
