
weil er nie nachgesehen, wie er stehe, ob er vorwärts oder rückwärts gehe. Am
Jahrestag seiner Meisterschaft übernahm er nun diese Arbeit. Er zählte zuerst
das Geld, welches er hier in einem Bündelchen, dort in einem Körbchen,
anderwärts in einem Strumpfe hatte. Ein reicher Bauer hatte ihm gesagt, wenn man
viel Geld im Hause habe, müsse man es verteilen; kämen Diebe, so kriegten sie
doch niemals alles, sondern nur einen Teil. Das Zählen schon trieb ihm den
Schweiß aus, denn so oft er zählte, so oft gestaltete sich die Summe anders. Zu
der Gewissheit kam er, dass jedenfalls über tausend Taler seine Kasse enthielt.
Nun versuchte er die richtige Summe aus seinem Buche zu finden, das war aber
erst ein Hexenwerk, aus welchem noch ein ganz Anderer als Uli nicht gekommen
wäre. Uli hatte aufgemacht und hatte nicht aufgemacht. Grössere Posten waren
aufgeschrieben, aber kleinere begreiflich nicht. Verkaufte Kühe waren
aufgemacht, aber von verkauften Kälbern fand man wenig Spuren, von verkauften
Ferkeln gar keine; so wollten im Buche sich nicht reimen Ausgaben und Einnahmen,
und mit dem vorhandenen Gelde passte die Bilanz im Buche erst nicht. Im Buche
fehlten alle kleinen täglichen Ausgaben, nur die größeren Summen stunden da. Wer
aber einige Zeit hausgehalten hat, weiß, wie viel Kleines zu was Grossem sich
summiert. Kurz ins Reine brachte er es nicht, er kam bloß so weit ins Klare, dass
er mehr als zweihundert Taler in bar gespart. Das Vieh im Stall war von
geringerem Werte als das, welches er übernommen, dagegen besaß er noch ein
ziemlich Quantum Korn, weit mehr als für den Hausbedarf bis zur Ernte. Vorräte
von allen Sorten, wie sie einer Haushaltung wohl anstehen, hatte Vreneli doch
gemacht; seit der Bodenbauer seine Vorlesung über Hausökonomie gehalten, war es
von Uli weniger gehindert worden. Was er an Vorräten harte, schätzte er zu
ungefähr hundert Talern, so dass also sein Gewinn oder Arbeitslohn zum wenigsten
dreihundert Taler betrug. Zuerst wollte er sich freuen darüber, dieweil das ein
so schöner Anfang sei, aber nach und nach flogen ihn allerlei Mücken an. Er
fand, dass dies doch eigentlich nichts sei. Es sei ein ausgezeichnet gutes Jahr
gewesen, sagte er, und nur dreihundert Taler! Jetzt habe er bar auf der Hand,
dass er in ordinären Jahren nichts verdiene, nicht so viel als sein schlechtest
Knechtlein. Sollte es aber Fehljahre geben, könne er nicht bloß dreihundert,
sondern sechshundert Taler verlieren so gut als einen Batzen! Wo dann die
nehmen? Und gesetzt, meinte er endlich, was seien doch dreihundert Taler für so
viel Not und Mühe und so große Gefahr, um alles zu kommen! Da
