, man den Wendepunkt, wo die alten
aus-, die neuen einziehen, nicht er, warten mag und zwar beidseitig nicht. Das
Verhältnis ist so giftig geworden, dass man sich nicht bloß kein gut Wort mehr
gibt, nicht bloß zornig wird, wenn man sich sieht, sondern sogar, wenn man sich
aus der Ferne husten hört. So war es aber in der Glungge nicht, im Gegenteil;
als der Zeitpunkt rückte, wo geschieden werden müsste, mochten beide Teile nicht
gerne daran denken, hätten gerne dem Rade der Zeit den Hemmschuh untergelegt.
Selbst Uli kam es jetzt, er hätte sich doch vielleicht den unrechten Finger
verbunden, allweg habe er sich eine schwere Bürde aufgeladen und Jahre werde es
gehen, ehe er aus den Klötzen, welche er angestellt, ordentliche Knechte
herausgehauen und zurechtgemeisselt. Begreiflich gestand er es nicht, nicht
einmal vor sich selbst wollte er so recht den Namen haben, dass es ihm so sei.
Den Knechten ging es ähnlich, sie verließen ungern die Glunggen, zeigten es
jedoch nur Vreneli, wie es ihnen war und dass sie wohl wüssten, wenn es nach
seinem Kopfe gegangen, sie beisammen geblieben wären. Äusserlich hatten alle das
Aussehen, als ob sie sich bitterlich hassten, aber innerlich war bloß ein
Grollen, und zwar ein Grollen, dass man von einander musste und zwar ohne
Notwendigkeit, sondern weil jeder einen aparten Kopf hatte und Uli den
allerapartesten, gespickt mit Joggelischen Brocken.
    Abgehende Dienstboten feiern, wie bekannt, das Neujahrsmahl noch mit, es ist
das Abschiedsmahl, nach welchem sie weiterziehen auf ihrer Pilgerreise nach
einer neuen Station. Viele essen und trinken da noch zum Platzen, um die alten
Meisterleute zu ärgern und von ihren Rechten den ausgedehntesten Gebrauch zu
machen, und leben doch am besten am Gedanken, wie zornig sie ihre Meisterleute
verlassen. Das ist auch ein wüst Zeichen der verkehrten Natur der Menschen, eine
wahre Teufelsüchtelei. So gings in der Glungge nicht, man war karg mit den
Worten, mit Essen und Trinken ging es auch nicht recht, wie sehr Vreneli
nötigte. Daher kam die Offenheit nicht, welche der Wein manchmal bringt, die
frostigen Bernernaturen tauten nicht auf, kurz machte man die Sache und düster
zog das Jahr auf der Glungge ein, und als am folgenden Morgen die Abgehenden
Abschied nahmen und sagten: »Lebet wohl und zürnet nüt«, waren die Gesichter
auch duster, doch war keine Stimme, die nicht gebebt hätte, wenn sie Vreneli
sagte: »Leb wohl und zürne nüt.« »Leb wohl«, sagte dann Vreneli, »und wenn du
vorbeigehst, so komme ins Haus und berichte, wie es dir geht. Hörst, und vergiss
es nicht, ich
