
sie nicht an allen Orten antrifft.« »Einstweilen wohl« sagte der Erste, »aber ob
es so bleibt, frägt sich. Was ich merken mochte, nimmt man aus der Metzg alle
Samstag ein Pfund bis zwei weniger Fleisch, und in letzter Woche hatten wir
zweimal keine Milch auf dem Tisch, und bin ich recht berichtet, so mussten sie
vorgestern dem Brot erst den Bart abmachen, ehe sie es auf den Tisch stellen
konnten. Wenn es so käme, so wäre dies mir nicht anständig, von wegen ein Jahr
ist lang und aus dem Jahr zu laufen, ist nicht meine Sitte.« »Man muss nicht
immer das Bösere glauben, und mit dem grauen Brot kann das allenthalben
geschehen; am Geschmack merkte man nichts, und der Müller kann vielleicht auch
noch daran schuld sein.
    Die Haglen netzen manchmal das Mehl, dass man Schneeballen daraus machen kann
oder es als Mehlsuppe brauchen, ehe es noch in der Pfanne ist,« entgegnete der
Erste.
    Am Samstag also fuhren sie nach Spreuer aus und luden in Bern an der Matte
ein gewaltig Fuder. Spreuer war sehr wohlfeil und die Müller froh, wenn er ihnen
aus dem Wege kam. Manchmal wird er rar, ist schwer und teuer zu bekommen, wenn
man ihn am nötigsten hätte. Mit dem Spreuer unter den Menschen ists umgekehrt,
da wird er am teuersten, wenn er am zahlreichsten ist, da schätzt er sich dann
selbst und zwar wie ein Jude seinen lumpichten Trödel. Obgleich Uli wohlfeilen
Spreuer kaufte, so war er doch sehr übler Laune. Der Müller hatte ihn
aufgezogen, wie wohlfeil der Bauer das diesjährige Korn werde geben müssen; da
sollten sie nicht Kummer haben, dass sie die Zeit versäumen müssten, Müller in
ihre Spycher zu führen, um das Korn zu zeigen. Da versetze wahrlich kein Müller
einen Fuß. »Die Bauern können zu uns kommen, es vor das Haus bringen, das beste
wollen wir auslesen, uns noch sehr bedenken, ob wir für das Malter drei Taler
geben wollen.« Uli wollte das in Abrede stellen, behaupten, die Preise würden
eher steigen als fallen. »Pah, pah, Junge, belehre einen Alten nicht, stehe
zuerst ein paar Jahre an der Sonne und lasse dich trocknen hinter den Ohren,«
sagte der Müller. »Die Spycher sind ganz voll altes Korn, neues wird es geben,
es weiß kein Mensch wie viel, und auf der Straße nach Deutschland hanget ein
Schwab am andern, jeder hat einen vierspännigen Wagen voll Korn und man sagt,
sie würden bald den Leuten anhalten, um Gottes willen umsonst es ihnen
abzunehmen, nur damit sie Platz kriegten für das neue draußen im Schwabenland.
Jetzt wollen wir
