 alle Weiber für ihr Leben gerne, aber die sind selten, welche es
eingestehen und den Namen, dass sie regieren, haben wollen. Vreneli fürchtete
eben diesen Schein auch. Es kam ihm oft dazu, einen Entscheid geben zu müssen in
aller Liebe oder für dieses oder jenes reden zu müssen, da Ulis Kopf für die
Meisterschaft und das Rechnen und Sorgen ums Auskommen fast nicht groß genug war
und er alle Tage klagte, er glaube, es komme nicht gut mit ihm, er werde gar
vergesslich. Der gute Uli dachte nicht daran, dass jeder Kopf sein Maß hat, dass
man Weniges leicht fassen und behalten kann, aber von gar zu Vielem einem eine
Menge entfallen muss, ohne dass deswegen das Gedächnis schwächte. Zu viel ist zu
viel. Äpfel kann man in einem guten Korbe behalten, aber häuft man sie zu sehr
auf, so rollen sie herab, und will man es zwingen, so kann man seine ganze
Lebenszeit mit Auflesen und Drauftun und wieder Auflesen zubringen. Das wäre was
für Pädagogen, wenn die noch was lernen könnten, aber eben sie haben mit dem
Auflesen mehr als genug zu tun. Vreneli wollte nicht gerne der Treiber Jehu
sein, auch nicht gerne etwas zur Sprache bringen, wo es eine geheime Ahnung
hatte, Uli möchte an etwas denken, was ihm nicht anständig sei.
    Doch einmal war Vreneli mit seiner bessern Magd alleine zu Hause, sie hatten
Flachs und Hanf gekehrt und fochten jetzt in den Bohnen. Es ist nun nicht bald
ein vertrauter Plätzlein und geschickter zu vertraulichen Mitteilungen als ein
Bohnenplätz. »Los Vreneli,« sagte die Magd, »du sagst nichts ich muss dich doch
fragen: kann ich bleiben oder muss ich weitersehen?« »Ich weiß nichts anders,«
sagte Vreneli, »es wäre mir zuwider, wenn du gehen wolltest; ich muss noch mit
Uli reden, aber es wird ihm auch das Rechte sein, wenn du bleibst, er weiß am
besten, was man beim Ändern gewinnt und was das fördert, wenn man an einander
gewöhnt ist und weiß, wie man es gerne hat.«
    Am Abend, als sie im Allerheiligsten des Hauses waren, sagte Vreneli: »Mädi
hat mich gefragt, ob es bleiben könne oder weitersehen müsse? Ich habe ihm
gesagt, ich wüsste nichts anders, wolle aber erst mit dir reden, ehe ich
bestimmten Bescheid gebe.«
    »Ja,« sagte der Uli, »das ist eine Sache, sie hat mich schon lange zu sinnen
gemacht,« und kratzte dabei am Kopf, als ob er einen Splitter aus dem Fleische
ziehen wollte; es war einer der Kopfnägel, welche Joggeli unvermerkt ihm
eingetrieben. »Sieh, wir sind gar
