 Gesicht. Was hätte es uns geholfen,
wenn wir seine Armut vernommen, während wir nicht helfen konnten? Wir fürchteten
nur noch unglücklicher zu werden. Jetzt geht es uns Gottlob wieder gut, wir
haben Geld mehr als wir brauchen, aber keine rechte Freude daran gehabt. Es
drückte uns immer das Gefühl, es sei ungerechtes Geld, und zwar so lange, als
jemand unschuldig durch uns um seine Sache gebracht worden. Nun wisst Ihr, wie
letzthin Uli so viel Geld aus dem Lewat gelöst. Als er es versorge, sagte er
mir: Was meinst, wenn ich es probierte und ab, machte mit dem Mannli? Das war
ein Wort wie aus dem Himmel; was ich sagte, könnt Ihr denken. Aber wir wurden
rätig, es im Stillen zu machen, niemanden davon zu reden. Vor der Welt sind wir
es nicht schuldig, darum hätten die Einen uns ausgelacht, Andere abgeraten, und
die Dritten wären böse darüber geworden.«
    »Meinst mich?« meinte der Alte und machte Vreneli die bekannten Augen.
»Werdet nicht böse, Vetter,« sagte Vreneli, »heute, wo Ihr mir eine so große
Freude gemacht, möchte ich das nicht auf mein Gewissen laden. Aber wenn Ihr mich
fragt, so muss ich Ja dazu sagen: ja, an Euch haben wir gedacht. Nicht dass wir
glaubten, Ihr seiet unter allen der Wüsteste, wir haben das Gegenteil erfahren,
aber Euch sind wir noch Geld schuldig; freilich ists nicht fällig, aber Schuld
ist Schuld. Wir meinten, es müsste Euch ärgern, wenn wir unser Geld brauchten für
etwas, was wir nicht gesetzlich schuldig sind, und unbezahlt ließ rechtmäßige
Schulden. Ihr hattet das Recht zu sagen, wir sollten zuerst bezahlen, was wir
von Gottes und Rechtes wegen schuldig seien; dann, wenn dies geschehen, könnten
wir mit unserm Gelde machen, was wir wollten. Aber wir dachten, es könnte uns,
ehe dieses möglich sei, so viel dazwischenkommen, dann blieben unsere Gewissen
immer beladen, oder wir könnten Sinn ändern, was so gerne geschieht, wenn man
Gutes aufschiebt, denn es scheint dann von Tag zu Tag schwerer, bis es unmöglich
scheint und man es zu vergessen sucht, wie ich schon oft erfahren; dann bleibe
unsere Schuld vor Gott, und vielleicht bete der unglückliche Mann Tag um Tag
gegen uns vor Gott, und wenn das einmal weg sei, hätten wir um so frohern Mut,
größeren Segen, könnten um so leichter auch Euch bezahlen, was Ihr so guttätig
uns vorgestreckt. Darum wollten wir vorher niemanden was sagen. Uli hielt es
hart, zu gehen, einen schweren Tag hat er heute zu bestehen. Er erwartete, der
