 was hülf es ihm, wenn er uns schon hineinsprengte;
er weiß ja, dass wir nichts haben, begehrt keinen Bürgen, und wo nichts ist, hat
ja selbst der Kaiser sein Recht verloren. Mich dauert nur der Johannes und seine
Kinder, dass die um das Gut kommen und für immer. Jetzt ist kein Pardon mehr für
sie, sie müssen herunter bis zum Bettlerbrot. Er hat uns schlimm behandelt, aber
ich kann mir nicht helfen: seine Mutter tat mir Gutes, und nichts kann mich mehr
erbarmen, als wenn Familien auf diese Weise zugrunde gehen. Hundert und
vielleicht mehr Jahre geht es, bis vielleicht wieder ein Glied derselben festen
Fuß fasst, wurzelt, aus dem abgehauenen Stamme ein Sprössling hervorwächst, der
wieder sein Haupt erhebt über das niedere Gesträuch.«
    »Und deine Kinder, erbarmen dich die nicht auch?« frug Uli, den jetzt eben
kein großes Mitgefühl plagte. »Nicht halb so viel,« sagte Vreneli, »die werden
gewöhnt, wie sie es ihr Lebtag haben können, lernen arbeiten, kommen hoffentlich
einst mit Ehren durch, und wer weiß, was aus ihnen wird, was recht Gutes, so
Gott will. Was jene an Gut haben, verprassen ihnen die Eltern, zu was Besserm
helfen sie ihnen nicht. Was meinst, wer ist mehr zu bedauern, wenn sie nichts
erben, ihre Kinder oder unsere Kinder?« Er meine es nicht so, sagte Uli, sondern
er meine, jene Kinder gingen sie nichts an, die ihren wohl. Böses wünschen wolle
er ihnen nicht, aber sagen müsse man doch: wenn es ungeheissen komme, unverdient
sei es nicht. »Uli, Uli, nicht so,« sagte Vreneli; »sind nicht vielleicht auch
noch Leute, die sagen könnten, Gott strafe unsere Kinder um der Eltern willen?«
Uli stutzte, gab Vreneli die Hand und sagte: »Du hast recht! Wie schnell man
doch so was vergisst! Umsonst sollst du mich nicht gemahnt haben.«
    Hagelhans kam zurück, Vreneli war mit dem Essen noch nicht fertig. »Jetzt
ist das Geschäft mein, jetzt will ich mir es recht ansehen, da gibt es was zu
schaffen.« Die Sache hätte man in Ehren gehabt, so gut man gekonnt, sagte Uli,
dem die Bemerkung ins Fleisch gegangen war. Aber Joggeli hätte nicht gerne Geld
ausgegeben für Handwerksleute, er selbst hätte es sonst zu brauchen gehabt. Er
hätte auch nicht immer alles aufputzen können; wenn man das Meiste mit fremden
Leuten machen müsse, so graue es einem am Ende des Jahres über die vielen
Taglöhne. Daneben sei das Haus so alt nicht, noch währschaft, mit Wenigem komme
man weit.
