 zu zahlen und werden die ärgsten Feinde,
wenn man sie mahnt ans Wiedergeben, es ist akkurat, als ob man ihnen ihre eigene
Sache stehlen wolle. Und wie wohl käme es so manchem Handwerksmann, der was
anfangen möchte und kein Geld hat, wenn das alte Vertrauen noch wäre. Früher,
wenn so einer kam, redete ich meinem Mann immer zu, jetzt freilich wehrte ich
schon öfter ab. Aber schämen muss ich mich, dass es bei unsern Verwandten,
freilich so ganz nahe sind wir ihnen nicht mehr, so geht; darum ist es nur
billig, dass wir gut machen, was sie sündigen. Haltet es dem Alten nicht für
ungut, denkt, er wisse nicht, was er mache, und dass er in der Klemme ist, und da
wird man gerne wüst gegen die Leute, will sich damit helfen und macht die Sache
immer schlimmer. Denk an die gute Base und sieh um ihretwillen zum Alten, sie
hatte auch nicht gute Zeit bei ihm und tat ihm doch, was sie konnte.«
    Das war eine schöne Rede, welche die Bodenbäurin fallen ließ, in Kammern und
Parlamenten hört man langweiligere und kommt dazu doch nichts dabei heraus. Der
Bodenbauer gab das Geld. »Probiert aber,« sagte er, »und gebt dem Vetter das
Papier, welches euch der Wirt gegeben hat, an Zahlungsstatt. Er ist auch schuld,
dass Uli sich da eingelassen, und wenn er es schon nicht annimmt für immer, so
ist es doch nichts als billig, dass er dem Wirt ein wenig die Faust macht. Ein
Handel mehr oder weniger soll ihm nichts machen, und vielleicht trifft er einen
glücklichen Augenblick, wo es wieder tropfet beim Wirt.« Vreneli nahm aber auch
das Geld nicht leichtfertig, nicht mit den Worten halb Spaß, halb Ernst: »Jetzt
habe ichs, jetzt könnt ihr sehen, dass ihr es wieder kriegt«, sondern mit einem
tiefen Seufzer. »Weiß Gott, wann wir es wieder geben können, aber es soll
geschehen, wenn Gott uns das Leben lässt, und sollte ich es mit Kuderspinnen
verdienen.« »Das würde dich doch noch blangen«, sagte die Bodenbäurin lachend.
»Wir wollen hoffen, es werde dir besser gehen. Ihr seid Beide jung, eine Zeit
ist nicht alle Zeit, und wer das Unglück brav ertragen hat, der wird dann wohl
auch mit dem Glück umzugehen wissen. Je schwerer es dir ist, das Geld zu nehmen,
desto leichter, hoffe ich, wird dir das Wiedergeben, oft geht es umgekehrt.«
    Sie waren also sozusagen wieder unter Dach, geborgen im Wohlwollen oder in
der wohlerworbenen Gunst guter Leute, und konnten ruhig die Tage kommen
