 könnte mit Titeln vornen und Titeln
hinten, zu Fuß, zu Wagen, zu Ross, mit oder ohne Kinder in allen fünf Weltteilen
herumfahren, sie kriegte vielleicht mit Betteln einige Kreuzer zusammen, aber
anvertrauen, anvertrauen auf ihr ehrlich Gesicht oder ihren ehrlichen Namen
würde kein vernünftiger Christenmensch ihr drei Kreuzer! Ja, Mesdames zu Stadt
und Land, so schlecht ists mit Tausenden unter euch bestellt: nicht drei Kreuzer
auf euer ehrlich Gesicht oder euren ehrlichen Namen! Das ist verdammt wenig, von
wegen es sind beide danach bestellt. Doch tröstet euch, Mesdames, es ist mit
den Herren oder Männern, wie man will, noch schlechter bestellt. Wie viele und
hochgestellte und hochberühmte schießen im Lande herum wie eingeschlossene
Fledermäuse an den Fenstern, suchen Vertrauen und finden keins; ja, nicht einen
einzigen Kreuzer kriegen sie auf Gesicht oder Namen, sie mögen schießen, surren,
stürmen, so viel und so lange sie wollen. Höchstens vertraut man ihnen das
Vaterland an, ein Zeichen, wie hoch man dasselbe achtet! Ja, wenn man alle die
sammeln und zusammenstellen würde, Weibervolk und Männervolk, welche Geld borgen
möchten und gar keines oder höchstens drei Kreuzer kriegen, man könnte mit ihnen
ganz Hinterasien bevölkern und Vorderasien wenigstens halb. Nun, wenn diese
Völkerwanderung mal stattfinden sollte, was für die Bequemlichkeit und Ruhe
Europas nicht so unpassend wäre (man denke, wie viel Stellen ledig würden in
Königstümern, in Republiken, an Höfen, in Wasch- und Ratshäusern), so kann
Vreneli daheim bleiben, es bekäm Geld und notabene gern. Das gern ist noch
seltener als Geld.
    Des Bodenbauers Frau war aber auch eine, wie man sie nicht hinter jeder
Haustüre findet. Sie dachte nicht bei sich: Gibt wohl der alte Narr der Jungen
da Geld? Wohl, dem wollte ich! Sie rief ihn auch nicht beiseite und sagte ihm:
»Probier und gib dieser! Machsts, beim -, ich lasse mich scheiden; das wäre mir
wohl, so alt wie du bist, schäm dich und denk an Kinder und Grosskinder!« Die
Bodenbäurin hatte tiefes Bedauern. »Nur nicht den Mut verlieren,« sagte sie, »es
kommt schon noch gut; ein paar Jahre, so könnt ihr euch wieder aufhelfen. Ja
freilich, helfen muss man euch. Es ist ja hundertmal nützlicher, man unterstütze
brave Leute, wo man noch den Glauben haben kann, das Geld sei nicht zum Fenster
hinausgeworfen, als man werfe es in Spekulationen, wo ein paar Spitzbuben reich
werden, während man keinen Kreuzer davon wiedersieht. Aber freilich, die Leute
sind selbst schuld, dass man nicht so Vielen aufhilft, als man wohl könnte und
möchte. So Viele begehren nicht wieder
