 und über ihrem
Tischkasten, als ob es ihr eigener wäre. Vreneli wehrte: »Wo kein Verstand mehr
ist, kann man keinen machen. Bei der Vermittlung käme nichts heraus, wenn die
Männer schon einreden würden. Johannes, der Unflat, täte es nicht, der ist zu
geldhungrig. Mit dem Rechnen ists ebenso. Sie würden sagen, wenn wir mehr
gegeben, als wir schuldig seien, so sei das unsere Sache. Warum wir es getan,
warum wir Elisi und seine Kinder nicht fortgejagt? Wenn wir die Guttätigen
machen wollten, so sollten wir nicht hinten, drein abrechnen wollen, das hätte
keine Form. So würde man uns antworten, dann könnten wir prozedieren; vielleicht
täten wir es gewinnen, vielleicht verlieren, und wollen wir das?«
    So sprach Vreneli. Uli sagte, er wisse, was Prozedieren sei, die Lust dazu
habe er verloren. Er habe bloß gemeint, man könnte probieren, so gleichsam an
die Türe pochen. »Weißt nicht, Uli,« sagte Vreneli, »dass der Teufel ein Schelm
ist? Gibt man ihm einen Finger, nimmt er gleich die ganze Hand. Und dann ist
das: die Sache scheint sich in die Länge zu ziehen, wir können sicherlich
dableiben noch ein Jahr und die Aussichten sind prächtig. Wir haben ja Lewat,
der alleine macht uns wenigstens den halben Zins, wenn es gut geht. Zudem
bedenke, ich habe lange das Gnadenbrot gegessen hier. Es war freilich oft stark
gesalzen, doch nicht durch die Base, und wenn ich später auch etwas dafür
geleistet, so wussten sie doch dies nicht, als sie anfingen, es mir zu geben,
denn ich war ein böser Drache von Mädchen. Wenn wir es jetzt auch nicht
überflüssig haben, so haben wir es doch, und wer weiß, ob wir je wieder ein
Zeichen tun könnten, dass wir erkennen, was ich empfangen.« »Es wäre recht so,«
sagte Uli, »wenn wir nur wüssten, wo nehmen und nicht stehlen.« Ja, sagte
Vreneli, stehlen sei eine wüste Sache, das helfe es auch nicht. Aber als das
letztemal der Bodenbauer dagewesen sei, habe er gesagt, sie wüssten, wo er wohne.
Ja, sagte Uli, das sei alles gut, aber immer und immer wieder Bettlerwege laufen
zu sollen, sei er doch endlich satt. Vreneli verstand den Ton besser als die
Worte, und in seinem lebendigen Gerechtigkeitsgefühle war es ihm klar, dass Uli
allerdings Mehreres habe austreten müssen, was es angegeben, dass ihm das
wiederholte Hülfesuchen bei dem Bodenbauer sehr zuwider sein müsste.
    Vreneli hatte Vernunft und hielt seinen Mann nicht für einen dummen
Schweizermann, zu nichts nutz,
