 und schwer daran zu tragen hat, denselben noch glühend
macht, um ja recht doppelt Qual zu leiden unter ihm.«
    Uli war dieses Gedankens froh, doch bangte er um Vreneli. »Aber du bist dann
alleine,« sagte er, »und selb ist nicht richtig unter solchen Menschen.« »Habe
nicht Kummer,« antwortete Vreneli, »Johannes tut mir nichts und die Weibsbilder
fürchte ich nicht. Aber fahre rasch, es ist mir angst um Joggeli. Wenn niemand
wehrt, so plündern sie ihn vollends aus, und hintendrein, wenn die Gläubiger
kommen und nichts mehr da ist, gibt es wüste Geschichten. Mit dem Johannes ist
es auch nicht richtig, wie ich merken mochte, der wird auch gemacht haben, was
er konnte. Die Liebe war es nicht, welche so oft ihn hergebracht.«
    Uli sputete sich, schonte das Pferd nicht. »Wenn die Base das hätte erleben
müssen! dachte er. Aber, dachte er wieder, wenn sie gelebt, wäre das nicht
begegnet. Wie wenn man in einem Gebäude einen einzigen Stein wegnehme und
dadurch dasselbe aus allen Fugen, vielleicht zum Umsturz bringen könne, so gebe
es auch einzelne Personen in Familien. Auf einer einzigen Person ruhe das Ganze,
sie halte es zusammen; bei ihren Lebzeiten merke man es vielleicht nicht einmal
so recht, erst wenn sie gestorben sei, in Trümmer das Ganze auseinandergehe,
merke man, dass sie der Eckstein gewesen. Wie man doch das Gleiche verschieden
nehmen könne, dachte er, und wie man erst, wenn was zu tragen sei, merke, ob
einer Kraft habe oder keine. Er wisse wohl, er sei ein armer Sünder, aber um
alles in der Welt möchte er nicht an ihrer Stelle sein. Er sehe wohl ein, dass er
nichts davon, bringe, denn dies Unglück werde auch ihm an die Beine gehen, und
jedenfalls werde ihnen noch etwas übrig bleiben, ihm aber nichts als vielleicht
noch Schulden. Indessen wüssten er und Vreneli zu sparen und zu arbeiten, Angst
habe er nicht, er habe sich darein ergeben, es zu nehmen, wie es komme, und
damit zufrieden zu sein. Aber wie Joggelis Kinder es mit Wenigem machen würden,
da es nicht mit Vielem gegangen, dazu weder arbeiten noch entbehren könnten, das
begreife er nicht. Das gebe die unglücklichsten Leute, welche immer zwischen
Können und Mögen hingen, an allen andern Orten den Fehler suchten, nur nicht an
ihnen selbst, und da, her auch so wüst täten ohne Unterlass, sich verfeindeten
allenthalben, wo sie Freunde doch so nötig hätten. Er dankte Gott nicht, dass er
nicht sei wie jene, aber er fühlte sich doch glücklich,
