 Dunkelheit,
dass ein Fußweg in die Straße sich münde, und auf demselben kam eine große
Gestalt auf ihn zu. Es war Uli unheimlich, denn er wusste wohl, dass an Markttagen
nachts hier und da einer auf der Lauer stehe, um einem reisenden Händler seine
Geldkatze abzunehmen, und dass es wohl geschehe, dass man sich dabei vergreife und
einen erschlage, der keine Geldkatze habe. Jedenfalls wären seine Kühe immerhin
ein schöner Fang gewesen, wenn auch ein gefährlicher.
    »Habe nicht Angst,« sagte eine tiefe, harte Stimme, »es tut dir niemand was.
Aber was tust du auf der Straße so spät?«
    Uli gab Bericht. Der Mann gesellte sich zu ihm, ein Wort gab das andere. Es
ward schon bemerkt, wie offen ein bäuerischer Wanderer sehr oft gegen den
wildfremdesten Menschen auf der Straße ist und ihm Dinge erzählt, welche er da,
heim nicht vor den Mund lassen würde. Es kommt ein Bedürfnis zu reden die Leute
an, dessen man daheim sie durchaus nicht für fähig gehalten hätte. So auf der
Straße lassen die reichsten biographischen Studien sich machen. So erzählte,
sobald er seine Kühe wieder hinter sich hatte und die friedfertige Weise seines
Begleiters sah, Uli, woher er komme, warum er verkaufen müsse und so weit zu
Markte fahre, damit es nicht heiße, er pfeife auf dem letzten Löchlein. Als Uli
sagte, was für Kühe er habe und wie lange sie trächtig seien usw., meinte sein
Begleiter: »Du musst zwei Monate länger angeben, das merkt niemand und jagt dir
manchen Taler in die Tasche.« Das mache er nie mehr, sagte Uli, um keinen
Kreuzer wolle er mehr betrügen. »Du bist ein rarer Vogel,« antwortete der Mann.
»Wie kommst du vorwärts, wenn du so ehrlich sein willst?« Nun leerte Uli sein
Herz und erzählte, wie es ihm ergangen mit dem Mannli und dem Hagelwetter und
wie er begriffen, dass Übervorteilen nichts helfe, weil Gott es einem hundertmal
eintreiben könne. Gehe er mit der Ehrlichkeit zugrunde, was er übrigens nicht
hoffe, da er die Sache verstehe und sich selten verfahre und das Sprüchwort
»Ehrlich währt am längsten« nicht umsonst sein werde, so habe er doch den Trost,
er sei nicht selbst schuld, und die Leute täten am Ende doch sagen: »Es ist
schade um den, er kann uns fast erbarmen, daneben war er ein braver Bursche.«
Gehe er aber als Schelm zugrunde, so müsse er denken, er habe es verdient, und
die Leute würden sagen: »Dem geschieht recht, da kann man wieder sehen, was
Betrügen hilft.« »Aber was sagt dann deine
