 noch so nötige Ruhe geben, dass er wieder
nachließ und sagte: »Du hast recht!«
 
                           Einundzwanzigstes Kapitel
                  Wie Uli mit Menschen rechnet und Gott sucht
Ihre Lage war allerdings trüb und bedenklich. Wenn Uli seine frühern Ersparnisse
einzog, so konnte er den Bodenbauer bezahlen und was er sonst noch schuldig war.
Sein so sauer Erworbenes war also zugesetzt; vor ihm war ein Jahr ohne Ernte, wo
er genötigt war, einen Teil des Brotes zu kaufen. Sein Freund, der Müller, hatte
ihm so viel Korn abgeschwatzt, dass sein Speicher fast leer war. Woher das
Saatkorn nehmen? Brot kaufen müssen bei einem Haufen Gesinde, ist übel. Er hatte
nichts als Heu und Kartoffeln, beides reichlich und gut. Mit Milch und Butter
konnte er etwas Weniges machen, aber es gab kaum die Hauskosten, noch viel
weniger die Dienstenlöhne; wenn man Brot sparen muss, muss man mit etwas anderm
nachhelfen.
    Aus dem Stalle konnte er etwas ziehen. Jetzt sah er ein, wie gut es gewesen,
dass Vreneli für Vorräte gesorgt, welche größer waren, als er glaubte. Hanf und
Flachs hatte man reichlich zum Spinnen, und vielleicht war vom erhaltenen Garn
etwas zu erübrigen zum Verkauf. Dazu endlich hatte er noch die Rechnungen mit
Müller und Wirt, welche nicht erledigt waren, von denen Uli Bedeutendes
erwartete. Wie Vreneli manchmal gesagt hatte: »Mach doch die Sache fertig, ich
ließe mich nicht immer so abspeisen, du bist viel zu gut und wirst sehen, wie es
dir geht,« wehrte es jetzt vom Rechnen ab und sagte: »Wart, das pressiert doch
nicht so.« Die beiden Busenfreunde hatten in Ulis ganzer Krankheit nichts von
sich hören lassen, und während seiner Genesung ließ sie sich nicht sehen. Sie
machten vielleicht das Wort Nervenfieber fürchten, jedenfalls aber fühlt ein
Schuldner, welcher nicht gerne zahlt, kein entschiedenes Bedürfnis, sich einem
Gläubiger unter Augen zu stellen, von dem er voraussetzen muss, er sei Geldes
bedürftig. Vreneli fürchtete Ärger und Zorn für Uli, und ob jetzt eine Woche
früher oder später, darauf kam es in Beziehung auf das Geld nicht viel an, wohl
aber in Beziehung auf Ulis Gesundheit. Endlich sagte Uli: »Ich merke wohl, warum
du mir das Rechnen mit den Beiden verhalten willst, aber sei ohne Sorge, ich
kann es geduldig nehmen, wie es kommt. Sieh, ich habe da auch was verdient, ich
sehe es je länger je besser ein. Wären sie die Freunde, wie sie sich immer
gestellt, sie wären wohl schon gekommen und hätten ihre Hilfe angeboten. Warum
stellte ich meinen Glauben auf sie und bildete mir ein, wie wunder gut sie es
mit mir meinten
