 schließt den Toten mit den Augen auch die
Ohren, er weiß wohl warum. Sie disputierten miteinander, freilich mit Anstand,
das heißt ohne Gebrüll; Keiner wollte wegen der Mutter Tod zum Pfaffen, das
heißt Pfarrer, denn so betiteln reformierte Wirte, eidgenössische Lieutenants,
sogenannte Schullehrer und andere Staatsmänner gewöhnlich die Geistlichen, und
allgemach geht die Redeweise auch auf Schneider, Schuhmacher, Schreiner,
Schinder, Sattler und andere Majestäten des Tages über; ja sogar Schulbuben
werden bei Anlass der neuen Sprachlehren in die neuen Sprachweisen eingeübt,
begreiflich! Wenn die Hexenmeister des Tages die Kinder nicht alles lehren
dürften, was sie wüssten, könnten, wollten, möchten, ja du lieber Gott, da wären
sie in einem halben Tage am Ende ihrer Weisheit, und dann was weiter? Nein, da
sind sie viel klüger, akkurat wie viele Müller, welche auch nicht meinen, dass
sie das Mehl rein geben müssten, sondern Kleien und Spreue noch beilaufen lassen,
ja Taubenmist und Hühnerbohnen und was sie irgend vom Mühlstein abkratzen
können, denn wer Liebhaber ist von reinem Mehl, kann es, wenn er es rein haben
will, selbst auseinandermachen.
    Joggeli wollte nicht gehen. Er sei zu krank und angegriffen, sagte er.
Johannes sagte, er wisse nicht, wie man dies verrichte, es sei ihm noch nie dazu
gekommen, und wenn es nicht sein müsse, gehe er zu keinem Pfaffen. Sie wurden
rätig, Uli zu senden, aber wohl, Vreneli sagte ihnen, was Ordnung sei. Sein
Lebtag hätte es nie gehört, dass man irgendwo solche Dinge durch einen Knecht
verrichten lasse, wie man etwa ein Stück Vieh mit einem Knechte zur Metzg
schicke. Solches werde durch die nächsten Verwandten verrichtet überall. Nun
nehme es ihns wunder, ob die gute Base es verdient um sie, dass niemand zum
Pfarrer wolle, um sie anzugeben. Drüben zanke man sich wegen ihren Kleidern,
hier um einen kurzen Gang. Es sei himmelschreiend und wunder nehme es ihns, ob
es irgendwo in Heidenlanden ärger zugehen könne. Wenn die Base diese Liebe
mitansehen müsste und hören die Worte, welche geredet würden, so würde ihr das
Herz zu bluten anfangen, wenn es schon aufgehört habe zu schlagen.
    Johannes hatte einen gewissen Respekt vor Vreneli und bequemte sich endlich
zu dem Gang. Begreiflich trank er erst einen Schoppen oder zwei, ehe er ins
Pfarrhaus ging, unter dem Vorwande, mit dem Wirte wegen dem Leichenmahl zu
reden, eigentlich aber um sein Herz zu stärken und Kourage zu trinken. Es ist
kurios mit solchen Menschen; sie scheinen ein Herz von Eichenholz zu haben,
einen Mut, welcher den Teufel bei den Hörnern fassen darf, tun gewaltige Reden
und zeigen gegen jeden Pfaffen die
