, kenne die Sache, ds Land
auf, ds Land ab Keiner besser; aber glaubst mir nicht, so frage noch Andere.«
Nun geht der Prozessmann glücklich heim, schläft diesmal ruhig, aber am andern
Morgen fängt das Bangen schon wieder an zu wurmen; er läuft wieder einer
Bestätigung nach, freilich keiner richterlichen, aber doch einer, welche ihm
wohl macht einige Stunden und zu einer ruhigen Nacht verhilft, denn den Meisten
hängt vom Ausgang eines Prozesses ihre Existenz ab. Der Wert, um den prozediert
wird, mag vielleicht bloß einige Groschen betragen, aber die Kosten, welche auf
den verlierenden Teil fallen, können rasch auf einige hundert Gulden steigen;
die Herren Advokaten wissen noch ganz andere Rechnungen zu stellen als die
Herren Schneider, welche gewöhnlich an die Rechnung setzen, was sie zu wenig ans
Kleid gesetzt; es ist halt so ein kleiner Verschuss, dem sie unterworfen sind, so
von Handwerks wegen. Man hat Beispiele im Kanton Bern, dass Prozesse wegen einem
Ei und wegen einer Strohbürde über zehntausend Gulden kosten. Ja, zehntausend
Gulden machen eine Summe aus, welche ins Tuch geht und selten einer in der
Hosentasche mit sich trägt. Indessen muss man das doch den meisten Herren
Advokaten nachreden, sie nehmen bloß die Wolle, selten die Haut dazu, sie sind
kluge Schafscherer; diese schinden die Schafe auch nicht, sondern scheren sie
bloß, denn wenn sie die Schafe schinden täten, so wüchse keine Wolle mehr nach
und das Scheren wäre ein- für allemal aus, tut man aber klüglich, so kann man
alle Jahre frisch dran sein, bei Schafen mit gröberem Haar sogar zweimal im
Jahr.
    Probiere aber einmal einer, diesen Rat machten wir dringlichst geben, und
trage immer seines Gegners Sache als die seine vor, und zwar so scharf und
bündig, als sie seines Gegners Rechtskundius vorträgt, und höre dann auf das
Urteil der Menschen! Unter zehn werden ihm wiederum neune recht geben und sagen:
»Du hast recht, fahr aus, es fehlt dir nicht, habs schon hundertmal erfahren!«
Dann weiß er, woran er ist und was an dem Urteil der Menge ist. Nun, das tat
eben Uli nicht, er lief auch dem Urteil der Menge nach, um sich zu trösten; die
Summe, welche nach und nach sich aufs Spiel stellte, war nicht unbedeutend,
betrug schon mehr als doppelt so viel, als die ganze Kuh wert war. Ulis Agent
hatte ihm schon mehr als einmal gesagt: »Wenn du mir etwas Geld auf Abschlag
geben könntest, so wäre es mir anständig; es sind böse Zeiten, es geht nichts
ein, und gewiss, weißt wohl, läuft jede Sache besser gesalbet als ungesalbet. Du
