. Kriegt der Uli einen Prozess unter den Arm, so
läuft er damit zu den Gelehrten, diese sagen: »A heißt A, und auf das A folgt
das B, das kann nicht fehlen, punktum, hier steht es geschrieben, siehst? Der
Prozess ist gewonnen, ich nähme es nicht zum voraus, wenn man mir es schon geben
wollte.« Das glaubt nun der Uli steif und fest und bildet sich ein, ein
Rechtsgelehrter zu sein, weil er das A auswendig weiß und etwas vom B kennt; wer
ihm Zweifel äußert, der hält es nicht mit ihm, mag ihm sein Glück nicht gönnen,
ist ein Lumpenhund und meint es mit dem Gegner gut. Es ist ein förmlicher
Fanatismus in diesem Glauben, und je blinder und beschränkter er ist, desto
leidenschaftlicher, unduldsamer äußert er sich. Wenn so ein Uli könnte, er würde
jeden köpfen oder gar hängen lassen, welcher den geringsten Zweifel schimmern
lassen würde, als hätte er den besten Handel von der Welt. So ein Uli würde
immer so stark verfahren als ehemals der Grossinquisitor von Spanien oder die
ehemaligen Ketzerriecher und Ketzerrichter in Deutschland. Die Eintönigkeit, wo
kein anderer Ton mehr anklingt, die Wut, wenn doch ein anderer zu den Ohren
tönet, werden nie aussterben im Menschengeschlechte und zutage treten allemal,
wenn man der Katze lange genug den Balg gestrichen hat. Die Erfahrung machte
nicht bloß Vreneli, die Erfahrung macht man dato im ganzen Schweizerlande. Was
dabei noch sehr merkwürdig ist, ist die Festigkeit des Glaubens, wenn er sich
einmal gehörig an eine Person geheftet hat. Wie der Tiroler zum Beispiel an
seine Amulette glaubte, welche hieb- und schussfest machen sollten, und daran
glaubte, so oft er auch verwundet wurde, indem er allemal einer besonderen
Ursache oder eigener Schuld die Zulassung der Wunde zuschrieb, wie man einen
Schatzgräbertoren siebenmal prellen konnte und zum achtenmal doch noch Glauben
fand, gerade so hat es so ein zum Prozess angedrehter Uli. Es gibt Leute, welche
durch rechtskundige Spitzbuben um ihr ganzes Vermögen gekommen sind und dennoch
an die Spitzbuben glauben, und wenn sie wieder zum Vermögen kämen, wieder durch
sie sich darum bringen ließ. Man möchte manchmal vor Zorn die Wände auf
springen oder vor Wehmut sich die Augen aus dem Kopfe weinen, wenn man die
altertümliche und volkstümliche Balgstreicherei und ihre Folgen sieht: blinden
Glauben, narrochtiges Treiben und endliches Verderben.
    Wenn man das Obige begriffen hat, so wird man auch begreifen, wie es Vreneli
war, dass Uli in diesen Wirbel gezogen wurde. Der gute Uli begriff nicht, was
Menschen zu reden und zu tun imstande sind, wenn in ihren Bereich eine Kuh
läuft, welche sie hoffen mit Streicheln und Sanfttun dahin zu
