 Fleisches.
Diese verschiedenen Richtungen treten auf das Klarste ins Leben hinaus, in allen
Verhältnissen, in allen Ständen, in allen Altern. Es gibt auch Menschen, welche
an jeder Wahrheit zweifeln, Misstrauen haben gegen jeden ehrlichen Menschen,
welche immer sagen: »Weiß nicht, kann sein, wird sein, ist möglich, weiß aber
doch nicht«; so bei den klarsten Wahrheiten, welche man mit Pelzhandschuhen
greifen könnte. Die gleichen Leute glauben den schlechtesten Leuten, freilich
keine tausendjährige Wahrheit, sondern am liebsten die allerneusten und
widersinnigsten Lügen, und lügen sie hundertmal im Tage, so glauben sie es
hundertmal; waren sie hundertmal in einem Tage schon angeführt, sie ließ zum
hundertundersten Male sich noch anführen, natürlich bei gehöriger Bearbeitung
des Balges von einem dieser kunstfertigen Gerber. Je mehr das Fleisch im Preise
steigt, desto mehr und häufiger tritt diese schauerliche Verkehrtheit zu Tage.
Ein ehrlicher Mensch muss des Tages, es kann kein Mensch zählen wie oft, nach dem
Kopfe greifen, um zu erfahren, ob er ihn noch habe, und stundenlang grübeln, ob
er bei Verstand sei oder nicht, wenn er unter Menschenkindern sich befindet,
welche auf dieser Kulturstufe sind: Musterreiter, Postalter oder gar
Schulmeister, Maurer- oder andere Gesellen.
    Jetzt kann man sich denken, wie es einer ehrlichen Frau zumute werden muss,
wenn sie diese Glaubensrichtung in ihrem Manne sich entwickeln sieht, wenn er
ihren wohlgemeintesten Räten, seit tausend und tausend Jahren bewährt (beiläufig
gesagt, erschlugen die alten Deutschen in den Hermannsschlachten mit besonderer
Vorliebe Schreiber und Rechtsmenschen; werden einen natürlichen Grund gehabt
haben!), die Ohren verschließt und den Balgstreichern sich zuwendet; wenn sie
sieht, wie er umgarnt wird und eingesponnen gleich einer Fliege im Spinnennetz;
wenn sie erfahren muss, wie ihm ein Dünkel eingepflanzt wird absichtlich, um
denselben ihr zu entfremden, seine Ohren gleichsam verpicht werden
grundsätzlich, ungefähr wie man denen, welche man erschießen will, die Augen
verbindet; wenn sie wohl weiß, der Mann liebt sie, aber der Esel, der Mann, lässt
sich aufweisen; weiß ferner, wie man sie lächerlich macht, ihm Misstrauen
einflößt, ihre Einsicht verdächtigt, ihr Recht, etwas zur Sache zu sagen, in
Abrede stellt. Und doch geht es um ihre Sache, geht um der Kinder Sache, und sie
soll, stumm wie ein Fisch, den Esel fuhrwerken lassen je nach der Lust und der
Bosheit einiger Spottbuben, welche die Sache bloß so weit angeht wie
einbrechende Diebe eine Geldkiste. Das ist wirklich ein hart Ding und besonders
für eine Frau, welche glaubt, einen gescheuten Mann geheiratet zu haben, einen
Ausbund; der wird auf einmal rappelköpfig, sturm am Hirn, viel ärger,
