 redet der Sache gemäß, über den erzürnen sie
sich, schimpfen; nach einigen Tagen und einigen Jahren sehen sie, wer es
eigentlich gut mit ihnen gemeint, das heißt es mit ihnen gehalten. Denn mit
einem halten, meine ich, heiße nicht mit einem dumm tun, ihn noch dümmer machen,
sondern seinen Vorteil im Auge haben, oder wie es heißt im Eid: Schaden wenden,
Nutzen fördern. Nun, lieber Uli, halte ich es fort und fort, in Freud und Leid,
in gesunden und kranken Tagen mit dir, wie ich es dir verheißen habe, des sollst
du überzeugt sein, aber ich möchte eben auch Schaden wenden und Nutzen fördern,
und wo meine Augen anders sehen als deine, da sage ich es dir, und das nimm mir
ja nicht übel, vier Augen sehen ja, wie das Sprüchwort sagt, mehr als zwei, und
deswegen auch wird der liebe Gott den Ehestand eingesetzt haben.«
    »Oh,« meinte Uli, »wegen selbem wird es ihm wohl nicht gewesen sein. Ich
weiß eigentlich wohl, dass du es gut meinst, aber gut Meinen und Verstehen sind
zwei, und nebendem regieren die Weiber gerne; jedes will den bessern Daumen
haben von wegen der Ehre, und die größte Kunst ist das, Meister sein und alles
zwängen und doch die Gute sein und vor den Leuten als eine Demutsvolle gelten.«
    »Sei nicht böse,« sagte Vreneli, »lass deinen Verdruss mich nicht entgelten,
ich meine es so gut. Es ist schlimm, wo über die Meisterschaft geredet wird,
denn da ist Streit. Ich meine, das Beste solle immer geschehen, da solle man
nicht fragen, welche von den vier Augen, welche Gott zusammengefügt, es gesehen,
sondern eben alles prüfen und das Beste erwählen. Und mit dem Verstehen ists so,
wie unser Heiland sagt: oft begreift ein Unmündiger, was den Weisen der Welt
verborgen bleibt. So weiß sicher oft ein dumm Weib besser, was schlicht und
recht ist, als so ein Kabinettskopf und Rechtsfresser in all seiner gestudierten
Weisheit.«
    »Ho,« sagte Uli, »das kann zuweilen der Fall sein zur Seltenheit, dass eine
Frau noch schlauer ist als der schlimmste Rechtsagent, welcher dem Teufel von
dem Karren gefallen ist, aber für so eine wirst du dich nicht ausgeben wollen?«
    »Nein, das nicht,« sagte Vreneli, »aber du willst nicht verstehen, was ich
meine, und das geht mir zu Herzen. Ich will nichts mehr sagen als: prozediere
nicht, das ist des Teufels ärgster Lockvogel, wer mal anbeisst, den fasst er beim
Ohr.« »Und lieb wäre es mir auch,
