. Heutzutage pilgern die Mädchen nach Tanzplätzen, stehen
große Qualen aus dabei; barfuß trifft man sie oft an, an Orten, wo sie meinen,
es sehe sie niemand, oder rückwärts gehend von Wirtshäusern, vorwärts Buben
lockend, bis sie plumps liegen in schmutzigem Loche. Nun, Vreneli pilgerte auf
guten Wegen, aber auf solchen muss man oft leiden, was auf schlechten Wegen und
noch mehr, und nicht böse werden darüber. Das ward Vreneli auch nicht, seufzte
bloß zuweilen, ward in seinen Gedanken unterbrochen und dachte endlich wenig
mehr als, es wollte, es wäre daheim. Es schämte sich seines hinkenden Ganges,
sah so wenig als möglich auf, in der Hoffnung, wenn es sich um die Begegnenden
nicht kümmere, kümmerten sie sich auch nicht um ihns, was jedenfalls ein sehr
einseitiger Schloss ist.
    Da hielt neben ihm ein Wägelchen, von demselben herab kam eine Stimme:
»Wieweit noch heute?« Da zuckte Vreneli zusammen, sah auf, und auf dem Wägelchen
saß Uli. Der lachte über Vrenelis Studieren, ob welchem es nicht wisse, wer an
ihm vorbeikomme, und Vreneli war es eine höchst angenehme Überraschung, erstlich
wegen den Füßen und zweitens wegen Uli. Wer einmal schlimme Füße in engen
Schuhen gehabt hat und noch zwei lange Stunden wenigstens vor sich, der weiß,
wie hell es plötzlich vor den Augen wird und wie eine Stimme von einem Fuhrwerke
herab, welche aufsteigen heißt, ungefähr tönet wie eine Stimme aus dem Himmel.
Wenn es dann noch gar die Stimme des Mannes ist, welcher seiner Frau ungeheissen
und unerwartet entgegengefahren aus bloßer Liebe und Zärtlichkeit, ja dann
fehlen alle Vergleichungen, um auszudrücken, wie die Stimme tönet im Herzen der
angerufenen Frau. Vreneli konnte nicht satt werden, Uli Dank und Freude
auszusprechen für seine Güte und dass er ihm seine Höllenqualen abgekürzt, Uli
dagegen entschuldigte sich, dass er nicht weiter gekommen: Erstlich sei er
aufgehalten worden, und zweitens habe er nicht gedacht, dass Vreneli so früh sich
heimmachen werde, das Heimgehen falle manchmal Gotten erst ein, wenn es zu spät
sei. Nun erzählte Vreneli, wie es ihm ergangen, wie es die Gesellschaft
verlassen, ehe der Braten gekommen, und wie es den Rest des Nachmittags
zugebracht. Es konnte sich nicht innig genug ausdrucken, wie zufrieden es
geworden mit seinem Schicksal, Uli nicht sattsam genug zu Gemüte führen, wie sie
Ursache hätten, Gott zu loben und zu preisen für seine Güte an ihnen. Wenn sie
nur genügsam wären, so hätten sie mehr als genug, brauchten sich nicht so zu
kümmern ums - tägliche Brot und hätten doch immer noch was übrig, dem Dürftigen
zu helfen in seiner Not.
    Uli hatte die Not nicht selbst
