 glücklich sein könnten im Vergleich gegen Andere, wenn sie nur den Verstand
hätten, es zu begreifen.
    Wenn sie nur einen Augenblick sich in andere Strümpfe denken könnten, so
käme sie eine unendliche Dankbarkeit an. Es schauderte ihns, wenn es dachte, es
sollte an seiner Freundin Platz nur eine Woche lang und ihr Mann sollte sein
Mann sein. Da war doch dann Uli ein ganz Anderer, und wenn es schon zuweilen
Vreneli dünkte, Uli sollte auf festern Füßen stehen, so war er doch ein Mann und
nicht so ein Züttel, ein Fösel und Höseler. Erst wenn man mit eigenen Augen so
recht in andrer Menschen Verhältnisse hineinsehe, begreife man, wie gut man es
habe, wie gütig Gott sei, wie grob man sich versündige mit Unzufriedenheit,
sehne sich heim und fühle sich erst glücklich, wenn man alles so finde, wie man
es verlassen und zwar in aller Unzufriedenheit.
    Je mehr es so dachte, desto mehr trabte es vorwärts, es war ihm, als könnte
ihm sein Heim gestohlen werden und wenn es hinkomme, sei nichts mehr da als eine
Öde, das Haus verbrannt, die Kinder tot, Uli weg. Aber es ging Vreneli wie
vielen Weibern, welche nicht viel vom Hause kommen, seine Schuhe fingen ihns an
zu plagen. Die Hausgeschäfte werden in Holzschuhen oder sonst bequemen, großen
Schuhen verrichtet, die bessern, eleganten Lederschuhe zieht man selten an; sie
trocknen wohl aus, und wenn dann zur Seltenheit weiter gegangen werden soll,
vertragen sich die bequem gewordenen Füße schlecht mit den knappen, spröden
Schuhen. Es gibt viele unangenehme Verhältnisse in der Welt, aber das Verhältnis
zwischen einem weichen Fuß und spröden Schuh wo der eine zu breit ist, der
andere zu eng, ist doch eins der allerunangenehmsten, besonders wenn soll
gelaufen werden und zwar stundenweit. Es gibt Leute, welche kein Verhältnis
begreifen und namentlich dieses Verhältnis nicht. Köchinnen und selbst
Kammerzofen, vorzüglich aber Stall, und andere Untermägde befinden sich in
diesem Falle. Wenn der Schuhherr kommt, das Maß zu nehmen, biegen sie die Zehen
zusammen oder unter die Sohle, befehlen dazu: »Ganz klein, ganz klein,
Sonntagsschuhe!«, wahrscheinlich Betmaschinen, um sie zum Seufzen und Beten zu
zwingen. Nun, da gehts dann eben wie bei allen unnatürlichen Verhältnissen;
solange man in denselben lebt, ist man sauübel, schrecklich unglücklich, man
schreit nach Gott, und hat man genug geschrien, platzen sie endlich. Ganz
jämmerlich musste Vreneli pilgern, wie wenn es Erbsen in den Schuhen hätte. Auf
Wallfahrten büsst der Mensch halt seine Sünden. Ehedem wallfahrtete man nach
heiligen Orten, Jerusalem, Loretto, Einsiedeln, mit Erbsen in den Schuhen oder
gar rückwärts nach Rom
