 begreifen, dass sie krank sind, und zu ihm kommen,
will er sie heilen, das ist seine Barmherzigkeit. Wer nun den wahren
Lebensbalsam, die Wundersalbe nicht brauchen will, der wird ein Blinder und
Lahmer und hinterlässt die Krankheit seinen Kindern. Verkehrt hat Gott die
Menschen nicht erschaffen, aber verkehrt lässt er sie werden und immer
verkehrter, je leichter sie zum wahren Lebensbalsam kommen könnten, denn wer des
Herren Willen weiß und ihn nicht tut, wird mit doppelten Streichen geschlagen
werden. Doch gehe, mach dass Uli nicht pressiert, dann kann er seine Schuhe
abziehen und wieder in die Holzböden fahren.«
    Rasch brachte die Base Joggeli das Essen auf den Tisch, stellte ihm dann
seine Schuhe frisch gesalbet unter den Ofen und seine Kamaschen dazu. »Habe
nichts gesagt, dass ich fort wolle,« sagte Joggeli, »warum stellst mir die Schuhe
zu recht?« »Du musst um einen neuen Pächter aus,« sagte die Base. »Uli will fort,
Vreneli hat mir berichtet von einem Herrn, der hinter ihm sei wegen einem
bsunderbar guten Platz. Nun will er gehen und sehen, wie die Sache ist, eher als
nicht kann die Sache abgemacht werden.« Da tat der alte Gnäppeler sehr zornig,
im Grunde aber war er in seinem Herzen sehr erschrocken. So seien die Leute
heutzutage, begehrte er auf, kein vernünftig Wort könne man mehr mit ihnen
reden. Wenn man ein Wörtchen rede, protzen sie auf, werfen den Bündel vor die
Türe. Es werde doch erlaubt sein, seinen Pächter zu fragen, wie sie es mit
einander hätten. Was geschrieben sei, sei geschrieben, es nehme ihn wunder, ob
es nicht auch für ihn geschrieben sei, und Fragen werde erlaubt sein. »Du hast
ja nicht gefragt,« sagte die Frau, »du hast gefordert.« »He nun, so hätte er
sich wehren können, das wäre ihm wohl angestanden und erlaubt gewesen, aber
nicht so den Kopf zu machen,« zürnte Joggeli. »Nun,« sagte die Frau, »ich war
nicht dabei, mach was du willst, ich kann mich darein schicken, habe mich schon
in vieles geschickt. Aber such jetzt alsbald einen Pächter, der dir zum Land
sieht, die Sach in Ehren hält und zinset auf den Tag.« Es seien viele Leute auf
der Welt, sagte Joggeli. Aber rechte zu finden, selb sei schwer, antwortete die
Alte, schenkte Kaffee ein und schwieg, während Joggeli allerlei brummte. Noch
hatte Joggeli sein erstes Kacheli nicht ausgetrunken, als er sagte: »Geh sieh,
ob der Kolder noch daheim ist, er soll hinüberkommen! Dem will ich sagen,
