 ander Gut aus, ein Mann wie er brauche nicht lange zu
suchen, er finde was so Gutes als dieses hier! Der Wirt sei gut bekannt in Bern,
dort sei mancher Herr schrecklich froh über einen vertrauten Hausknecht oder
einen hablichen Pächter, und solche Plätze seien hundertmal besser als ein solch
Gut, wo man sich totarbeiten müsste und am Ende nichts davonbringe als dürre
Erdäpfelschalen und einen Haufen Kinder. Er möge die Stunde nicht erwarten, wo
er wegkäme von dem alten Schelm, der meine, er wolle ihn jetzt ausnutzen, wie er
sich von seinen beiden Blutsaugern ausnutzen lasse. Vreneli tat alles Mögliche,
um ihn zu besänftigen, aber seine Worte waren 01 ins Feuer. Alles, was es
abbrachte, war, dass er erst zu Mittag esse, ehe er gehe; es sei bald gekocht, es
wolle pressieren.
    Aber Vreneli dachte nicht ans Pressieren, sondern passte auf die Base, welche
um diese Zeit sich gerne unter ihrer Küchentüre sehen ließ. Diesmal ließ sie
nicht lange auf sich warten, und alsbald war Vreneli bei ihr und alsbald wussten
Beide, woran sie waren. »Er ist immer der gleiche alte Unflat«, sagte die
Mutter. »Wenn es mal ordentlich geht, ist es ihm nicht wohl, er muss alles
untereinanderrühren; wenn er Garn abwindet, so ist ihm nicht wohl, wenn es glatt
läuft, er ruht nicht, bis er die Strange verhürschet hat, dass man sie bloß mit
Messer und Schere lösen kann. Als Junger soll er die größte Freude daran gehabt
haben, den Mägden die Spinnräder zu traktieren, dass sie nicht mehr darüber noch
darunter wussten. Aber warte, dem wollen wir diesmal den Marsch machen, denn
Ernst ist es ihm nicht. Daneben kann er mich dauern, er muss fort und fort Geld
auftreiben und muss daher sehen, woher er es nimmt, und bekommt er solches, so
ist es ihm in acht Tagen wieder abgedreht.« »Ja,« sagte Vreneli, »mich erbarmet
er auch, er plagt sich selbst am meisten und merkts nicht. Es gibt viele solche
Menschen, welche ihre eigenen Feinde sind und sich immer selbst das Ärgste
antun. Es nimmt mich eigentlich nur wunder, warum unser Herrgott, der doch alles
so gut gemacht, solche Leute erschaffen hat und immer noch schafft«. »Das wirst
einmal vernehmen,« antwortete die Base. »Aber ich denke, wenn sie die rechte
Salbe brauchten, so würden die Blinden sehend und die Hinkenden wären nicht mehr
lahm. Unser Heiland hat nicht umsonst leiblich Blinde und Lahme geheilt, er will
damit sagen, dass er auch da sei für die geistig Blinden und die da hinken auf
Gottes Wegen, und wenn sie
